Heilmittelpraxis gründen
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Heilmittelpraxis gründen (1): Erste Gedanken und Entscheidungen

Eine Heilmittelpraxis zu gründen will wohl überlegt sein. Wir sagen Dir, welche Fragen Du Dir zuallererst stellen musst.

Du spielst mit dem Gedanken, eine Heilmittelpraxis zu gründen? Beispielsweise eine Ergotherapie- oder Physiotherapiepraxis? Oder eine Praxis für Logopädie, für Ernährungstherapie oder für Podologie? Wir nehmen Dich dabei an die Hand – mit unserer Blog-Serie zur Gründung einer Heilmittelpraxis. In unserem ersten Teil erfährst Du, welche grundlegenden Gedanken Du Dir machen musst, bevor Du mit der weiteren Planung Deiner Praxis starten kannst.

Risiken, Rückschläge, Rückendeckung: Erste Fragen zur Praxisgründung

Der Plan, eine Heilmittelpraxis zu gründen, ist keine schlechte Idee – denn der Bedarf an guten Heilmittelerbringer*innen ist da! Laut der AOK und Barmer musste beispielsweise 2018 jede*r Fünfte der in Deutschland gesetzlich Versicherten Heilmittelleistungen in Anspruch nehmen (18,6 % bei AOK und 21,3 % bei Barmer). Wenn Du auch noch bedenkst, dass der Bevölkerungsdurchschnitt immer älter wird, ist die Entscheidung, eine Heilmittelpraxis zu gründen, eine gute Entscheidung.

Doch mit jeder Gründung sind Risiken verbunden. „Mal eben nebenher“ lässt sich eine Geschäftsidee nicht in die Tat umsetzen. Überleg gut, ob eine Praxisgründung eine gute Idee ist. Stell Dir im Vorfeld folgende Fragen:

  • Ist Dir bewusst, dass Du möglicherweise die volle Verantwortung der Praxis sowie das finanzielle Risiko tragen wirst? Vor allem als Selbstständige*r bist Du nicht nur allein für alles zuständig, sondern haftest sogar mit Deinem Privatvermögen.

  • Unterstützt Dein privates Umfeld Deinen Plan? Wie gut die emotionale aber auch finanzielle Rückendeckung?

  • Verfügst Du über unternehmerisches und kauftechnisches Können sowie über fachliches Know-How? Die wenigsten Heilmittelerbringer*innen bringen in gleichem Maß wirtschaftliche Erfahrung mit. Wie willst Du Dir dieses Wissen aneignen? Wird sich jemand anderes in Deinem Team um Finanzen oder Mitarbeiterführung kümmern?

  • Was wird aus Deiner Praxis, wenn Du (kurzfristig? langfristig?) krank wirst? Spiel aber auch andere mögliche Worst-Case-Situationen durch – von Pandemien bis hin zu familiären Sterbefällen. Lass Dich davon aber nicht aus der Bahn bringen!

  • Ist Dir bewusst, dass viel Vorbereitung in die Gründung Deiner Praxis notwendig ist? Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) empfiehlt beispielsweise eine Vorbereitungszeit von 9 bis 12 Monaten. Vor allem Rückschläge bei der Suche nach den passenden Räumlichkeiten am gewünschten Standort können ermüdend sein.

Bist Du dir mehr als sicher, Deinen Traum von der Heilmittelpraxis in die Tat umzusetzen, dann solltest Du Dir ein paar grundsätzliche Gedanken zu Deiner Praxis machen. Die folgenden drei Themen solltest Du so früh wie möglich angehen.

Neugründung oder Übernahme?

Viele Entscheidungen in der Gründungsphase können Dir abgenommen werden, wenn Du Dich entscheiden solltest, eine Praxis zu übernehmen. Vielleicht gibt es am gewünschten Standort bereits eine passende Praxis, für die ein*e Nachfolger*in gesucht wird. Vielleicht bist Du über eine solche Praxis erst auf die Idee gekommen, Dich selbstständig zu machen.

Eine Neugründung hat den Vorteil, dass Du Deine Heilmittelpraxis von Grund auf aufbauen und gestalten kannst. Es ist Dein Baby! Die Sicherheit, wie gut der Start klappt, hast Du dann aber nicht. Eine bereits bestehende Praxis hat hingegen den Vorteil, dass dass Du den Kundenstamm zu einem Großteil übernehmen wirst – was gerade bei Privatleistungen sehr viel wert ist. Auch kannst Du möglicherweise von den Erfahrungen und dem Know-How des*der bisherigen Praxisinhaber*in profitieren. Der DVE rät, dass eine gemeinsame Übergangszeit mit dem bisherigen Praxisinhaber sinnvoll sein kann.

Eine Übernahme will aber gut überlegt sein, denn mit einer Nachfolge einer bereits bestehenden Praxis können ggf. auch Altlasten übernommen werden. Wahrscheinlich wirst Du Dich in die Praxis „einkaufen“ müssen; überprüfe hierzu den aktuellen Unternehmenswert der Praxis. Das Bundeswirtschaftsministerium und die Förderbank KfW haben auf ihrer Gründerplattform zusammengefasst, worauf man bei einer UNTERNEHMENSNACHFOLGE achten sollte.

Privat oder gesetzlich versichert?

Mach Dir Gedanken, ob Du vermehrt Kassenleistungen oder vermehrt Privatleistungen anbieten wirst. Kassenleistungen sind eine sichere Einkommensquelle, sind aber auch mit vielen Vorgaben verbunden. Für Privatleistungen gibt es fast keine Anforderungen – dafür ist das finanzielle Risiko höher und Du musst intensiver auf Kundenfang gehen.

Natürlich spricht nichts dagegen, sowohl das eine als auch das andere anzubieten. Du solltest Dir aber dennoch überlegen, ob eine der beiden Formen überwiegt und wenn ja, in welchem Umfang. (Umfassende Infos zu Privat- und Kassenleistungen stellen wir in einer der nächsten Ausgaben unser „Heilmittelpraxis gründen“-Serie vor.)

Alleine oder im Team?

Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten IFK e. V. hat 2016 in einer hauseigenen Umfrage ermittelt, dass rund vier von fünf Physiotherapiepraxen Einzelpraxen sind (82 Prozent). Es ist denkbar, dass es bei Ergotherapie, Logopädie, Ernährungstherapie oder Podologie ähnlich aussieht. Und doch haben Gemeinschaftspraxen für die Inhaber*innen gewisse Vorteile. Folgende Vor- und Nachteile hat die Gründung einer Einzelpraxis bzw. Gemeinschaftspraxis.

Einzelpraxis

Die Gründe für eine Selbstständigkeit liegen auf der Hand: Du bist dein eigener Chef, musst Dich keinen anstrengenden Diskussionen stellen und gestaltest Deine Praxis komplett nach Deinen Vorstellungen. Gewinne gehen vollständig in Deine Tasche. Dafür trägst Du auch das gesamte Risiko – finanziell, aber auch in allen anderen Belangen des Unternehmens.

Gemeinschaftspraxis

Sind mehrere Gründer*innen an der Praxis beteiligt, wird alles geteilt – nicht nur Gewinne, sondern auch die Verantwortung. Das unternehmerische Risiko ist dann auf mehrere Schultern verteilt. Vor allem dann, wenn Du es Dir oft schwer macht, wichtige Entscheidungen zu treffen, ist die gemeinsame Entscheidungsfindung hilfreich. Natürlich funktioniert so eine Gemeinschaftspraxis nur, wenn die Chemie stimmt und Ihr Euch blind vertrauen könnt. Ein gutes Miteinander ist sehr viel wert!

Mit der sogenannten "Praxisgemeinschaft" gibt es sogar einen Mittelweg aus beiden Formen. Was es damit auf sich hat, welche Rechtsformen es gibt und was die steuerlichen Unterschiede sind, erfährst Du im nächsten Teil unserer Gründungs-Serie.

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