Videobehandlung Heilmittel

Deutsches Medizinrechenzentrum

Therapieren aus der Ferne

  • Alles zur Videobehandlung
  • Schneller Start für Heilmittelerbringer
  • Tipps zur Technik und Software

Top
informiert

Videotherapie: Die Videobehandlung für Heilmittel genau erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie dürfen in Deutschland bestimmte Heilmittel auch als Videobehandlung / Videotherapie angeboten werden. Während die ärztliche Videosprechstunde schon länger etabliert ist, wird der Weg der Videotherapie außerhalb der Pandemie gerade erst gelegt. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie der aktuelle Stand ist und wie Sie als Physiotherapeut, Logopäde, Ernährungsberater oder Ergotherapeut die Videotherapie in Ihre Praxis einbringen können und worauf Sie dabei achten müssen. 

Was sind Videotherapie, Videobehandlung und Teletherapie?

Mit Videotherapie, Videobehandlung oder Teletherapie wird im Bereich Heilmittel oft ähnliches bezeichnet. Hier findet die Diagnose und Behandlung eines Patienten über eine räumliche Distanz statt, und zwar mithilfe moderner Kommunikationsmittel. Während die Teletherapie auch Sprechstunden per Telefon abdeckt, findet bei einer Videobehandlung bzw. Videotherapie die Kommunikation über Bild und Ton statt. Das ermöglicht die konkrete Durchführung von Heilmittelmaßnahmen: Die Therapeuten zeigen, wie bestimmte Übungen gehen und können dabei auch direkt den Patienten bei der Wiederholung der Übungen korrigieren.

Videotherapie findet über Endgeräte wie Computer, Tablets oder Smartphones statt und benötigt dazu Programme oder Apps für Videochats.

Begriffliche Abgrenzungen

  • Videosprechstunde: Während eine Videotherapie/-behandlung eine telemedizinische Therapie mit Heilmitteln bezeichnet, wird der Begriff „Videosprechstunde“ bei Behandlungen durch Ärzte verwendet.

  • Videotherapie: Abzugrenzen ist die Videotherapie von der gleichnamigen Behandlung von Schlaganfallpatienten, bei der das regelmäßige Anschauen von Videos integraler Bestandteil der Therapie ist.

  • Teletherapie: Der Begriff „Teletherapie“ ist nicht mit der ebenso bezeichneten Variante einer speziellen Strahlentherapie zu verwechseln.

Von der Videosprechstunde bis zur Corona-Maßnahme: So kam es zur Videotherapie bzw. Videobehandlung

Die virtuelle Kommunikation zwischen Leistungserbringer und Patient ist nicht neu. Seit einigen Jahren schon können deutsche Ärzte von der Videosprechstunde Gebrauch machen – doch im Bereich der Heilmittel war dies früher nicht möglich, egal ob man Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeut ist. Selbst die neuste Fassung der Heilmittel-Richtlinie gibt genau vor, dass Heilmittel „als Behandlung in der Praxis der Therapeutin oder des Therapeuten (…) verordnet“ werden müssen (§ 11 Abs. 1 HeilM-RL). In bestimmten Fällen sind auch Hausbesuche möglich und auch die Nutzung von Apps oder technischen Hilfsmitteln ist kein Problem – aber eine Fernbehandlung wird unter normalen Voraussetzungen nicht gestattet.

Das ist bis heute nicht anders, aber die Corona-Pandemie brachte eine Sonderregelung, die dann mittlerweile auch in die Heilmittel-Richtlinie Einzug nahm. Zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns im März 2020 wurden im gesamten Gesundheitswesen Deutschlands Sonderregeln aufgestellt. Beispielsweise durften Ärzte ihre Heilmittelverordnungen nach einer telefonischen Anamnese ausstellen und diese dann postalisch den Versicherten übergeben.

Und für die Heilmittelerbringer? Für diese haben die Krankenkassenverbände und der GKV-Spitzenverband „Empfehlungen für den Heilmittelbereich aufgrund des Ausbruchs von SARS-CoV-2 (Corona)“ veröffentlicht: Neben Sonderregeln zu den Behandlungs- oder Unterbrechungsfristen wurde erstmals auch die Videobehandlung für bestimmte Heilmittel gestattet. Die „Empfehlungen“ waren befristet, wurden dann immer wieder verlängert und sind dann schließlich in abgewandelter Form in die neue Heilmittel-Richtlinie (kurz HeilM-RL) eingeflossen. Letztere trat zum 1. Januar 2021 in Kraft.

Unter § 2a („Sonderregelung im Zusammenhang mit der COVID-19-Epidemie“) Abs. 3 HeilM-RL steht: „Sofern die Behandlungen aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung) stattfinden können, ist dies, in Abweichung zu den Regelungen in § 11 zum Ort der Leistungserbringung, unter Einsatz datenschutzkonformer Anwendungen und mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten für (...) Heilmittel möglich, sofern eine persönliche Leistungserbringung aufgrund der aktuellen Pandemielage nicht erfolgen kann und die Leistung insbesondere zur Vermeidung einer Verschlimmerung der Gesundheit erforderlich ist“ [Hervorhebung durch unsere Redaktion].

Inwiefern eine Videobehandlung für bestimmte Heilmittel möglich ist und ob eine Behandlung vor Ort in der Praxis ausgeschlossen ist, muss der Heilmittelerbringer selber entscheiden.

Die Zukunft der Videotherapie

Die Sonderregelung zur Videotherapie ist befristet. Solange die Corona-Pandemie anhält, ist zu erwarten, dass diese Befristung immer weiter nach hinten verschoben wird. Dennoch wird vermehrt debattiert, ob Fernbehandlungen wie Videotherapie in Zukunft nicht ein fester Bestandteil der Heilmittel in Deutschland werden sollen. Immerhin wird die Videobehandlung von einigen Heilmittelerbringern gerne verwendet: Nach einer nicht-repräsentativen Umfrage des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten (DVE) von Mai 2020 beispielsweise wurde die Videohehandlung nicht nur von Risikopatienten (30,88 %) genutzt. Die Meisten, die die Videobehandlung dankend annahmen, sind Patienten, die die Praxis aus rein persönlichen Gründen – z. B. aus Angst – nicht besuchen wollten (54,41 %).

Laut des BKK Dachverbands mehrten sich die Stimmen, die Videobehandlung auch nach der Corona-Pandemie weiter fortzuführen. Der GKV-Spitzenverband und die Verbände der Krankenkassen auf Bundesebene hätten sich in diesem Kontext bereits klar positioniert: Die Videobehandlung müsse als anerkanntes Heilmittel beziehungsweise als Teil einer Heilmitteltherapie Eingang in die Heilmittel-Richtlinie finden.

Debattiert wird derzeit noch, inwieweit Video- oder Teletherapie geeignet sind, um die Heilmittelversorgung qualitativ weiterzuentwickeln. Beispielsweise ließe diese Form der Behandlung laut dem BKK Dachverband nicht mit der direkten persönlichen Interaktion zwischen Patient und Therapeut vergleichen und ließe sich somit nicht mit einem Beratungsgespräch oder einer Sprechstunde gleichsetzen. Es wird diskutiert, wie hoch der Anteil von Videotherapie im Verhältnis zur Präsenztherapie sein darf oder ob Videotherapie lediglich ein Kommunikationsmittel zwischen Therapeut und Patient ist oder als eigenständiges Heilmittel festgelegt wird. Natürlich müssen auch Parameter zur Qualitätssicherung, zum Datenschutz, zu den technische Voraussetzungen etc. fest definiert werden.

Aktuell wird die Heilmittel-Richtlinie vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) entsprechend überprüft. Bis voraussichtlich April 2022 wird das Beratungsverfahren andauern. Bereits Mitte 2021 soll zudem das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) in Kraft treten, das unter anderem telemedizinische Leistungen im Bereich Heilmittel ermöglichen soll. Förderlich ist dabei auch der Plan, dass die als Telematikinfrastruktur (TI) bezeichnete Vernetzung von Ärzten, Kassen, Apotheken und Krankenhäusern nun auch auf Heilmittelerbringer ausgeweitet werden soll. (Ab Juli 2021 sollen sich Physiotherapie-Praxen freiwillig an der TI anschließen können, alle anderen Heilmittelerbringer ab Juli 2024. Geplant ist, dass der Anschluss an die TI für alle Heilmittelerbringer ab 2026 Pflicht sein wird.)

Der Vorläufer der Videotherapie: Was genau ist die Videosprechstunde?

Das was die Videotherapie/-behandlung für Heilmittelerbringer ist, ist für Ärzte die Videosprechstunde. Alles zusammen ist Teil der Telemedizin. Während telemedizinische Leistungen im Bereich Heilmittel gerade erst aufkommen, gibt es Videosprechstunden in Deutschland schon ein wenig länger – aber auch hier ging und geht die Digitalisierung schleppend voran.

Seit 2010 wird auf jedem Ärztetag immer wieder das Thema Telemedizin befürwortet. Laut dem Ärzteblatt (herausgegeben von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung) rief Jens Spahn 2018 die deutschen Ärzte dazu auf, Rahmenbedingungen für Sicherheit und Datenschutz zu gestalten. Die Digitalisierung ist im Ausland meist weiter fortgeschritten als in Deutschland. Videosprechstunden und -behandlungen sind anderorts keine Seltenheit mehr: Das in London ansässige Internetportal DrEd zum Beispiel hätte nach eigenen Angaben, so das Ärzteblatt, seit dem Start im Jahr 2011 bis Ende 2017 insgesamt 400.000 deutsche Patienten telemedizinisch betreut, davon allein die Hälfte 2017. Und das telemedizinische Zentrum Medgate in Basel würde ärztliche Beratung per Chat und Video anbieten und berichte inzwischen von mehr als zwölf Millionen Anrufen jährlich. Die Angst war groß, dass zum einen ausländische Leistungserbringer deutsche Patienten „abwerben“ und dass zum anderen die großen IT-Konzerne im Ausland – wie z. B. Google und Apple – die technischen Standards für die Telemedizin setzen könnten.

Obwohl allen bewusst war, wie dringend die Digitalisierung von Sprechstunden und Behandlungen ist, kam Skepsis auf. „Wir wissen, dass 85 Prozent der Arzt-Patienten-Kommunikation nonverbal sind und nur 15 Prozent verbal“, zitierte das Ärzteblatt 2018 den Dermatologen Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft. „Wenn ich das zugrunde lege, dann kann ich zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen davon ausgehen, dass eine Fernbehandlung die gleiche Qualität haben kann wie eine persönliche Behandlung.“ Befürchtet wurde, dass der Goldstandard – also die gängige, anerkannte Versorgung der Patienten – verlassen werden würde. So wurde z. B. debattiert, ob die ausschließliche Fernbehandlung von Patienten gestattet werden soll.

Die Videosprechstunde hat sich bereits bei den Ärztinnen und Ärzten Deutschlands etabliert. Die (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte (kurz: MBO-Ä) von 2018 sagt unter §7 Abs. 4: „Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird.“ Es scheint also nur eine Frage der Zeit, dass Videobehandlungen auch konstanten Einzug in die Heilmittelpraxen erhalten werden.

Diese Heilmittel dürfen per Videobehandlung geleistet werden

Die neue Heilmittel-Richtlinie (Januar 2021 in Kraft getreten) gestattet die Videotherapie nicht für alle Heilmittel und damit auch nicht allen Heilmittelerbringern. Laut § 2a Abs. 3 HeilM-RL ist die Videobehandlung für folgende Heilmittel möglich:

  • Stimm-, Sprech-, Sprachtherapie mit Ausnahme der Schlucktherapie

  • Ergotherapie

  • Physiotherapie für die Übungsbehandlung gemäß § 19 Absatz 3 Nummer 1a, für die allgemeine Krankengymnastik (KG und KG-Atemtherapie) gemäß § 19 Absatz 3 Nummer 3a sowie für die Krankengymnastik-Mukoviszidose gemäß § 19 Absatz 3 Nummer 3c

  • Ernährungstherapie

Podologen können die Videotherapie also nicht nutzen; da eine podologische Behandlung i. d. R. die persönliche Anwesenheit des Patienten voraussetzt, verwundert diese Entscheidung nicht.

Heilmittel per Video: Das sind die Voraussetzungen für die Videobehandlung

Um als Heilmittelerbringer Videotherapie anbieten zu dürfen, müssen ein paar grundsätzliche Voraussetzungen geschaffen sein.

Anlass
Einwilligung
Datenschutz
Neupatienten

Ist eine Fernbehandlung sinnvoll?

Laut § 2a Abs. 1 HeilM-RL ist eine Videobehandlung dann zulässig, wenn „eine persönliche Leistungserbringung aufgrund der aktuellen Pandemielage nicht erfolgen kann“ und „die Leistung insbesondere zur Vermeidung einer Verschlimmerung der Gesundheit erforderlich ist“. Letztes entscheidet der Therapeut. Beispielsweise der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) empfiehlt Physiotherapeuten, einzuschätzen, ob der Patient kognitiv in der Lage ist, Bewegungsaufträge ohne taktile Reize umzusetzen. Oder ist der Patient sturzgefährdet oder hat eine Erkrankung, die besondere Schutzmaßnahmen bedürfen, welche durch den Therapeuten sichergestellt werden müssen?

Schriftliche Einwilligung des Patienten einholen

Die Entscheidung, ob eine Videobehandlung stattfinden soll, liegt nicht nur bei Ihnen: Noch vor dem ersten Termin zur Videotherapie muss der Patient dieser Form der Behandlung einwilligen. Inwiefern das erfolgen soll, ist nicht festgelegt, doch sicherheitshalber sollte die Einwilligung nachweisbar sein. Es empfiehlt sich deshalb, eine schriftliche Einwilligung – idealerweise mit Unterschrift – einzuholen. Diese kann vom Patienten auch per Mail oder Fax versendet werden. Der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V. bietet einen Entwurf einer solchen Einwilligungserklärung an.

Einhaltung aller Datenschutzregeln

Die Heilmittel-Richtlinie gibt vor, dass eine Videobehandlung nur „unter Einsatz datenschutzkonformer Anwendungen“ erfolgen darf. Neben den Anwendungen (dazu unten mehr) muss die gesamte Verarbeitung der personenbezogenen Patientendaten rechtlich einwandfrei erfolgen. Auch muss gewährleistet sein, dass die Videobehandlung in Räumen, die Privatsphäre bieten, durchgeführt wird.

Zu der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sollten Sie auch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sowie das Fünfte Sozialgesetzbuch (SGB V) berücksichtigen.

Einwandfreie Videobehandlung von Neupatienten

Ob die Videotherapie ausschließlich für Patienten genutzt werden darf, die man bereits persönlich behandelt hatte, ist nicht vorgegeben. Neupatienten werden also nicht ausgeschlossen. Am besten orientieren Sie sich bei einer Vorgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Videosprechstunde bei Ärzten: „War der Patient bisher noch nie in der Praxis, hält er seine elektronische Gesundheitskarte in die Kamera, damit das Praxispersonal die Identität prüfen und die notwendigen Daten (Bezeichnung der Krankenkasse; Name, Vorname und Geburtsdatum des Versicherten; Versichertenart; Postleitzahl des Wohnortes; Krankenversichertennummer) erheben kann. Der Patient bestätigt zudem mündlich das Bestehen des Versicherungsschutzes.“

Heilmittelverordnungen: Korrekte Dokumentation und Abrechnung der Videotherapie

Es gibt keine konkreten Angaben, wie die Abrechnung erfolgen soll. In den veröffentlichten Regelungen für den Heilmittelbereich des Gemeinsamen Bundesausschusses wurde folgendes vorgegeben: Es muss für die Abrechnung „auf der Rückseite der Verordnung die Therapie als Videobehandlung „V“ oder „Video“ zu kennzeichnen. Im Bereich der Ernährungstherapie ist eine erneute Beratung bei bereits begonnener Behandlung in geeigneten Fällen auch als telefonische Beratung möglich. In diesen Fällen ist auf der Rückseite der Verordnung die Therapie als „T“ oder „Telefon“ zu kennzeichnen.“ (Stand April 2021)

Darüber hinaus geben die Empfehlungen vor, dass die im Anschluss der erbrachten Leistungen diese vom Versicherten schriftlich bestätigt werden müssen. Diese Bestätigung könne „aber auf elektronischen Wege (z.B. per Fax, EMail) erfolgen“. Möglich wäre z. B. eine solche Bestätigung:

Hiermit bestätige ich, Erika Mustermann, den Erhalt einer Videobehandlung am 30.03.2021 durch die „Beispiel-Praxis für Logopädie“.

Diese Bestätigung muss der Abrechnung nicht beigefügt werden, sondern wird lediglich – genauso wie die Einwilligung – als Nachweis archiviert. Im Falle einer Prüfung sind Einwilligung wie Nachweis der Krankenkasse vorzuweisen.

Geräte & Software: Die technischen Voraussetzungen an die Videotherapie

Es gibt nur wenige bis gar keine Vorgaben zu den technischen Voraussetzungen. In den März 2020 veröffentlichten Empfehlungen der Krankenkassenverbände und des GKV-Spitzenverbands wurde noch vorgegeben, dass man bereits vorhandene Technik verwenden und „eine angemessene gegenseitige Kommunikation gewährleisten“ müsse. Was als „angemessen“ gilt, wird nicht genannt.

Dabei ist die Wahl der passenden Technik und der Software alles andere als einfach: Die Auswahl ist groß und die Hürden für Therapeuten wie Patienten sind nicht gering. Beispielsweise zeigt eine nicht-representative Umfrage des DVE von Mai 2020, dass von den Ergotherapie-Patienten, mit denen eine Videotherapie durchgeführt wird, nur jeder Fünfte zu der Gruppe der Senioren gehört (19,76 %). Auf die Frage, wie oft der Einsatz der Videotherapie an den technischen Voraussetzungen scheitert, antworten nur 16,67 % mit „gar nicht“. Etwa jeder vierte Ergotherapeut hat häufig oder sehr häufig, die meisten (57,99 %) immerhin haben nur „manchmal“ mit der Technik zu kämpfen.

Im Folgenden finden Sie ein kleine Orientierungshilfe, damit die Videotherapie ohne technische Probleme oder Datenschutzverstöße klappen wird.

Internetverbindung

Voraussetzung ist, dass bei Ihnen sowie bei Ihrem Patient eine ausreichend starke Internetverbindung existiert. Die Stiftung Warentest rät eine Datenrate von mindestens 2 Megabit pro Sekunde, um Videochats mit sehr guter Bild- und Tonqualität genießen zu können. Überprüfen Sie, dass die Verbindung auch im Upload 2 MBit/Sek. ermöglicht. Hier beispielsweise können Sie eine schnelle Breitbandmessung vornehmen.

Geräte

Der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) empfiehlt als Gerät einen Computer mit externer Kamera (um die Kamera flexibel ausrichten zu können). Da im Fall der Physiotherapie der Heilmittelerbringer so wie der Patient die Hände frei haben müssen, werden Smartphones oder Tablets eher weniger empfohlen. In diesem Fall sollten Sie ein Stativ oder eine Halterung nutzen. Für eine perfekte Kommunikation rät der ZVK, Kopfhörer/Headsets zu nutzen. Bei beiden Teilnehmenden (zumindest aber beim Physiotherapeuten) sollen die Kopfhörer kabellos sein, um Bewegungsabläufe ohne Schwierigkeiten vormachen zu können.

Software/Apps

Mit am schwierigsten erweist sich die Suche nach der passenden Software. Auf dem ersten Blick scheint diese Suche einfach zu sein – immerhin hat sich das Kommunizieren per Videochat längst etabliert. Aber beliebte Anwendungen wie WhatsApp, Skype, Zoom oder Microsoft Teams sind aus datenschutzrechtlicher Sicht möglicherweise kritisch einzustufen.

Während die Voraussetzungen für die Videobehandlung von Heilmitteln unkonkret ausfallen, sind hingegen die Vorgaben für die ärztliche Videosprechstunde sehr detailliert. Bei der Software-Suche können Heilmittelerbringer sich an diesen Vorgaben orientieren; sie sind für Sie nicht verpflichtend, aber sie helfen Ihnen, auf Nummer sicher zu gehen. Festgelegt wurde die „Vereinbarung über die Anforderungen an die technischen Verfahren zur Videosprechstunde“ von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und von der GKV-Spitzenverband und wurde als Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte veröffentlicht. Darüberhinaus hat der ZVK für Heilmittelerbringer ein paar Auswahlkriterien für die Software-Suche definiert. Zusammengefasst aus beiden Quellen werden Ihnen die folgenden Auswahlkriterien bereits weiterhelfen:

  • Eine gute Videochat-Software muss auf dem ersten Blick sofort zugänglich wirken. Idealerweise muss der Patient sogar keine Anwendung herunterladen und installieren, sondern kann den Videochat per Webbrowser nutzen.

  • Laut § 2 Anlage 31a BMV-Ä muss der Anbieter des Videochats gewährleisten, dass die Verbindung ohne Nutzung eines zentralen Servers verläuft, sondern unmittelbar zwischen beiden Teilnehmern (Peer-to-Peer-Verbindung).

  • Die Verbindung muss verschlüsselt sein und der Videodienstanbieter darf die Videos weder einsehen noch speichern.

  • Achten Sie darauf, welchen Stellenwert der Anbieter der Software der Einhaltung der DSGVO und anderer Datenschutzgesetze beimisst.

  • Für die ärztliche Videosprechstunde ist verpflichtend, dass die Verarbeitung von Daten (auch im Auftrag) nur im Inland, in einem EU-Mitgliedsstaat oder in einem diesem nach § 35 Absatz 7 des Ersten Buches Sozialgesetzbuch gleichgestellten Staat erfolgen darf. (siehe § 2 Abs. 7 Anlage 31a BMV-Ä) Vergewissern Sie sich, welchen Serverstandort der Dienstleister für seine Videochats gewährleistet.

  • Für eine gute Videobehandlung kann es – z. B. für das Teilen von Links – hilfreich sein, wenn auch eine Chatfunktion enthalten ist. Zusatzfeatures wie beispielsweise integriere Übungsprogramme/-aufgaben können ggf. ebenfalls praktisch sein.

  • Sollte die Möglichkeit bestehen, Videoaufzeichnungen zu machen, sollten Sie von dieser Funktion aus datenschutzrechtlichen Gründen keinen Gebrauch zu machen. Im Falle der ärztlichen Videosprechstunde wird sogar explizit verboten, Aufzeichnungen jeglicher Art vorzunehmen. (§ 3 Anlage 31a BMV-Ä)

Die Vorgaben an die Software für die Videosprechstunde bei Ärzten sind hoch; die Anwendungen müssen entsprechend zertifiziert sein. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung veröffentlicht eine regelmäßig aktualisierte Liste aller zertifizierten Videodienstanbieter. Im Gegensatz zu den Kassenärzten ist eine zertifizierte Videochat-Anwendung für Heilmittelerbringer nicht verpflichtend.

Die Vorteile und Nachteile der Videotherapie

Ist für ein Heilmittel die Videotherapie gestattet, liegt es an jedem selbst, zu überlegen, ob man diese anbieten möchte. Entscheiden Sie selbst!

Die Vorteile
Die Nachteile
Die Vorteile der Videobehandlung

Die Vorteile der Videobehandlung

  • Überwinden von räumlichen Distanzen, weltweite Behandlungen möglich

  • Zeitliche Flexibilität

  • Unnötige Wege und Wartezeiten vermeiden

  • Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens unterstützen

  • Wettbewerbsvorteile gegenüber andere Praxen im Umkreis (und sich gegen die ausländische Konkurrenz wappnen)

  • Während Corona-Pandemie: Das Ansteckungsrisiko minimieren und den Patienten die Ängste nehmen

  • Keine Unterschriften des Patienten notwendig – und dadurch möglicherweise schneller abrechnen

  • Homeoffice: Als Therapeut ganz leicht von zu Hause aus arbeiten

  • Ggf. Nutzung von praktischen Zusatzfeatures (z. B. erklärende Links per Chat teilen oder integriere Übungsprogramme/-aufgaben einsetzen)

Die Nachteile der Videobehandlung

Die Nachteile der Videobehandlung

  • Weniger persönliche Nähe zu Patienten, die den direkten Kontakt wünschen

  • Mögliche Gefahr, langfristig den Goldstandard der Heilmittelversorgung zu verlassen

  • Ggf. mehr Verwaltungsarbeit (Einwilligung, Nachweise etc.)

  • Suche nach passender Software unter Berücksichtigung des Datenschutzes

  • Technische Einstiegshürden (insbesondere bei Menschen ohne Technikaffinität)

  • Mögliche Netzwerkprobleme in schlecht ausgebauten Gebieten

  • Keine Behandlung von Heilmitteln, die taktile Reize voraussetzen

  • Nicht für Patienten geeignet, die bei den Übungen besonderen Schutz bedürfen (z. B. vor Stürzen absichern)

Rückruf-Service Rückrufe erfolgen in der Regel Mo.-Fr.: 8.30-17.00 Uhr
Interessenten-Hotline 0211 6355-9087 Mo.-Fr.: 8.30-17.00 Uhr
Interessiert? Kontaktieren Sie uns!