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Top informiert zur Kurzzeitpflege

  • Was ist Kurzzeitpflege und wie lässt sie sich beantragen?
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Kurzzeitpflege: Diese Ansprüche haben Pflegebedürftige

Die Kurzzeitpflege ist eine stationäre Maßnahme für alle Pflegebedürftige, die sonst zu Hause gepflegt werden. Die Gründe für Kurzzeitpflege sind mannigfaltig – und reichen von einer kurzen Auszeit des pflegenden Angehörigen bis zur Genesung nach einem Unfall. Wir erklären Ihnen, was genau Kurzzeitpflege ist, wer dieses unter welchen Voraussetzungen beziehen kann und welche Unterschiede es zu Verhinderungspflege gibt.

Was ist Kurzzeitpflege? Wer kann diese in Anspruch nehmen?

Man spricht von Kurzzeitpflege, wenn jemand für eine begrenzte Zeit eine vollstationäre Pflege benötigt. Die Kurzzeitpflege ist im Prinzip ein stationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung auf Zeit. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn weder ambulante Pflege noch teilstationäre Pflege (wie Tagespflege) nicht ausreichen.

Für Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5

Wer Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, ist meist in häuslicher Pflege – sei es durch einen Angehörigen oder durch einen ambulanten Pflegedienst. Voraussetzung für die Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim ist die Einstufung in Pflegegrad 2 (vormals Pflegestufe 1) oder höher.

Für Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1

Auch Pflegebedürftige des Pflegegrads 1 können Kurzzeitpflege prinzipiell in Anspruch nehmen – doch in diesem Fall müssen die Kosten nahezu selbst getragen werden. Die Betreuungs-/Enlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro pro Monat können aber für die Kurzzeitpflege genutzt werden.

Für Pflegebedürftige ohne Pflegegrad

Seit 2016 besteht auch die Möglichkeit, dass auch Menschen ohne Pflegegrad (bzw. vormals ohne Pflegestufe) Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen können. Das ist dann der Fall, wenn nach einer heftigen Krankheit oder einem Unfall eine Pflegebedürftigkeit eintritt. In diesem Fall dient die Kurzzeitpflege vor allem zur Überbrückung – beispielsweise bei pflegerischen Engpässen. Der Kostenträger bei dieser Form der Kurzzeitpflege ist die Krankenkasse (nicht die Pflegekasse).

In diesen Fällen ist Kurzzeitpflege möglich

  • Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt: Je nach Lage ist es notwendig, den/die Pflegebedürftige im Anschluss eines Krankenhausbesuchs erst einmal in stationäre Kurzzeitpflege zu geben. Dies ist eine empfehlenswerte Übergangslösung – bis die nachfolgende, langfristige Pflege geplant wurde.
  • Kurzzeitpflege nach einem Unfall: Ein Unfall kann sie Lebenssituation so verändern, dass Kurzzeitpflege notwendig wird. Das kann z. B. einen bereits pflegebedürftigen Menschen betreffen, der nach einem Unfall für eine bestimmte Zeit professionelle sowie stationäre Pflege benötigt. Aber auch für Menschen ohne Pflegegrad ist nach einem schweren Unfall eine Kurzzeitpflege möglich (siehe hierzu die Details weiter oben).
  • Kurzzeitpflege bei unerwarteter Pflegebedürftigkeit: Tritt eine unerwartete Pflegebedürftigkeit auf, ist Kurzzeitpflege empfehlenswert. In dieser Zeit können die Angehörigen in Ruhe die notwendigen Rahmenbedingungen für eine häusliche Pflege schaffen. Ebenso ist Kurzzeitpflege möglich, wenn sich der Zustand eines bereits pflegebedürftigen Menschen drastisch ändert und man als Angehöriger den erhöhten Pflegebedarf nicht selber bewältigen kann.
  • Kurzzeitpflege beim Ausfall desPflegenden: Wer zu Hause von einem Angehörigen gepflegt wird, der für einen bestimmten Zeitraum ausfällt, kann ebenfalls Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Beispielsweise ist es realistisch, dass der/die Angehörige aufgrund der starken Belastung eine Pause benötigt – und z. B. in den Urlaub fahren möchte. Oder dass der/die Angehörige erschwert krank wird oder in eine Reha-Klinik muss. Übrigens: Muss der Angehörige in die Reha, besteht natürlich die Möglichkeit, dass die pflegebedürftige Person mitkommt und in einer nahen Einrichtung untergebracht wird. (Mehr dazu weiter unten.)
  • Kurzzeitpflege im Vorfeld einer stationären Pflege: Kurzzeitpflege dient auch als Übergangslösung, um eine pflegebedürftige Person in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen. Das ist zum Beispiel dann praktisch, wenn vollstationäre Pflege geplant wurde, aber im Pflegeheim noch kein Platz frei wurde. Oder man eine Einrichtung erst einmal „testen“ möchte, bevor man die dauerhafte Pflege dort in Anspruch nimmt.

Kurzzeitpflege berechnen: So hoch ist die Kurzzeitpflege

Grundsätzlich stehen einem Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 oder höher jährlich 1.612 Euro für Kurzzeitpflege zur Verfügung. (Bis 2015 waren das noch 1.550 Euro.) Es spielt hierbei keine Rolle, ob man z. B. Pflegegrad 2 oder 5 hat.

Hinzu kommt noch das Pflegegeld: Wer normalerweise von Angehörigen gepflegt wird, erhält in dieser Zeit weiterhin 50 Prozent des Pflegegelds.

Die Kurzzeitpflege kann für bis zu 56 Tage im Jahr (also acht Wochen) in Anspruch genommen werden.

Kurzzeitpflege berechnen: Die Voraussetzungen

Beachten Sie, dass ausschließlich die pflegebedingten Kosten getragen werden. Die 1.612 Euro im Jahr dürfen also nicht für die Unterkunft, für die Verpflegung oder für Investitionskosten verwendet werden. Diese Kosten müssen selber getragen werden. Immerhin lassen sich diese Kosten aber durch das monatliche Betreuungsgeld / Entlastungsgeld in Höhe von 125 Euro etwas verringern. (Diesen Anspruch hat übrigens auch ein Pflegebedürftiger des Pflegegrads 1.)

Alle Pflegekosten, die das Budget übersteigen, also über die jährigen 1.612 Euro hinausgehen, müssen übrigens vom Pflegebedürftigen selber getragen werden. Immerhin besteht aber die Möglichkeit, das Budget durch Kombinationsleistungen zu erhöhen.

Kurzzeitpflege berechnen: Kombinationsleistungen

Die Kurzzeitpflege lässt sich mit der Verhinderungspflege kombinieren – ein Vorteil, der seit dem Pflegestärkungsgesetz 1 sogar optimiert wurde. Sie können den gesetzlichen Anspruch auf Verhinderungspflege (die ebenfalls 1.612 Euro beträgt) zu 100 Prozent auf die Kurzzeitpflege anrechnen. Wenn Sie also keine Verhinderungspflege nutzen, lässt sich für die Kurzzeitpflege jährlich bis zu 3.224 Euro verwenden.

Andersherum lässt sich auch der Anspruch auf Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege anrechnen – jedoch nur zu 50 Prozent. Die Verhinderungspflege kann somit um bis zu 806 Euro jährlich aufgestockt werden, wenn die Kurzzeitpflege nicht oder nur teilweise genutzt wird.

Kurzzeitpflege berechnen: Zusätzliche Kosten steuerlich absetzen

Unter Umständen können Sie die Kosten, die Sie für die Kurzzeitpflege selber tragen müssen, auch steuerlich absetzen. Hierzu machen Sie die Zusatzkosten für „außergewöhnliche Belastungen“ steuerlich geltend. Für genauere Auskünfte wenden Sie sich bitte ans Finanzamt oder Ihren Steuerberater.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege lassen sich schnell verwechseln – immerhin stehen einem Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 oder höher beides zu einem gleich hohen Betrag zu (je 1.612 Euro jährlich). Der Unterschied ist aber der, dass eine Kurzzeitpflege ausschließlich stationär stattfindet, während eine Verhinderungspflege in der Regel häuslich erfolgt. Zur genaueren Unterscheidbarkeit beider Formen hilft Ihnen die nachfolgende Tabelle.

  Kurzzeitpflege Verhinderungspflege
Ort grundsätzlich stationär i. d. R. zu Hause
Pflegende Pflege durch stationäre Pflegefachkräfte Angehöriger wird von Pflegefachkraft oder Angehörigen vertreten
Jährlicher Betrag 1.612 Euro (nur für Pflegekosten zu nutzen) 1.612 Euro (aber max. 1,5-Fache des Pflegegeld bei Pflege durch Angehörige)
Auch ohne Pflegestufe? Ja, wenn plötzliche Pflegebedürftigkeit durch Krankheit o. Unfall Nein
Kombinierbar? mit bis zu 100 % des Anspruchs auf Verhinderungspflege (also +1.612 Euro) mit bis zu 50 % des Anspruchs auf Kurzzeitpflege (also +806 Euro)
Dauer bis zu 8 Wochen pro Jahr bezuschusst bis zu 6 Wochen pro Jahr bezuschusst
Voraussetzungen Sofort möglich Nur, wenn Pflegender bisher mind. 6 Monate im Einsatz
Pflegegeld währenddessen 50 % des Pflegegelds erhalte wenn nur stundenweise Vertretung: 100 % des Pflegegelds erhalten (sonst 50 %)

Kurzzeitpflege beantragen

Bei der Wahl der richtigen Einrichtung muss man darauf achten, dass diese auch für Kurzzeitpflege zugelassen ist. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass die Pflegekasse die Pflegekosten nicht übernimmt. Folgende zwei Ausnahmen gibt es aber:

  • Der/die Pflegebedürftige hat noch eine zusätzliche Behinderung, die eine anderweitige Unterbringung erfordert.

  • Muss der pflegende Angehörige in Reha und nimmt dieser den Pflegebedürftigen mit, kann letzterer in einer naheliegenden Einrichtung untergebracht werden (z. B. in derselben Reha-Klinik), die keine Zulassung für Kurzzeitpflege hat. Für Genaueres ist aber die Erkundigung bei der Pflegekasse verpflichtend.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, Kurzzeitpflege frühzeitig zu planen. Vor allem in Zeiten während Schulferien sind die begrenzten Pflegeplätze sehr gefragt.

Zu Beantragung benötigen Sie entsprechende Antragsformulare, die Sie von Ihrer Pflegekasse oder Krankenkasse erhalten. Soll Kurzzeitpflege direkt nach einem Krankenhausaufenthalt gemacht werden, wenden Sie sich am besten an den Sozialdienst der jeweiligen Klinik. Dieser hilft Ihnen beim Antrag.

Beachten Sie: Der MDK, der Medizinsiche Dienst der Krankenversicherung (bzw. Medicproof bei Privatversicherten), inwiefern Kurzzeitpflege angebracht ist. Denn laut § 42 Abs. 1 SGB XI (11. Sozialgesetzbuch) ist die Kurzzeitpflege gegenüber der teilstationären Pflege nachrangig. Möglicherweise ergibt also eine solche Prüfung, dass eine teilstationäre Tagespflege oder Nachtpflege anstatt einer vollstationäre Kurzzeitpflege notwendig ist.

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