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Pflegemindestlohn: Welchen Mindestlohn gibt es in der Pflege?

Der Pflegemindestlohn ist ein Mindestlohn für Arbeiter in der Pflegebranche. Erfahren Sie, was die Gründe für einen eigenen Pflegemindestlohn sind, welche Bedingungen es gibt und wie hoch die Mindestlöhne sind. Und: Alle Infos zu den neuen, vereinheitlichten Pflegemindestlöhnen.

Warum gibt es einen eigenen Pflegemindestlohn?

Seit 2010 gibt es in der Pflegebranche einen gesetzlichen Pflegemindestlohn. Gründe für diesen Schritt sind unter anderem das Verhindern von Lohnarmut und das Vorbeugen von Altersarmut. Vor allem aber soll der Pflegemindestlohn die Pflege in Deutschland stärken: Aktuell gibt es etwa 3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, und Experten gehen davon aus, dass es 2030 etwa vier Millionen Menschen mit einem Pflegegrad geben wird. Die Arbeitsbedingungen in dieser Branche müssen gestärkt und die Pflegeberufe attraktiv gemacht werden. Hierbei soll unter anderem der Pflegemindestlohn helfen.

Seit 2015 gibt es in Deutschland auch einen allgemeinen Mindestlohn – gültig für alle Branchen. Für 2020 beträgt dieser 9,30 Euro. Der allgemeine Mindestlohn ist aber geringer als der Pflegemindestlohn, weshalb dieser auch nicht ersetzt wird. Zur Stärkung der Pflegebranche bleibt der Pflegemindestlohn weiterhin bestehen. Bis 2022 wird er sogar weiter gesplittet in drei Pflegemindestlöhne – abhängig von der Qualifikation der Arbeiter. (Dazu weiter unten mehr.)

Bedingungen für den Pflegemindestlohn

Nicht für jeden, der in der Pflegebranche arbeitet, gilt der Pflegemindestlohn. Je nach Arbeitslage oder Beruf gilt stattdessen der niedrigere allgemeine Mindestlohn. Im Folgenden erfahren Sie, für wen der Pflegemindestlohn aktuell gilt und für wen nicht.

Pflegebetriebe
Ausnahmen an Betrieben
Ausgenommene Berufe
Azubis, Schüler, Praktikanten
Privathaushalte, Wohngruppen

Für Pflegebetriebe gilt der Pflegemindestlohn

Betriebe (oder selbstständige Betriebsabteilungen), die überwiegend ambulante, teilstationäre oder stationäre Pflegeleistungen oder ambulante Krankenpflegeleistungen für Pflegebedürftige erbringen (z. B. ambulante Pflegedienste), gilt der Pflegemindestlohn. „Überwiegend“ bedeutet: In der Summe befassen sich mindestens 50 % aller Arbeitnehmer/innen mit Pflegeleistungen bzw. vor- oder nachbereitenden Tätigkeiten. Diese Vorgaben gelten auch für in Deutschland arbeitende Mitarbeiter eines ausländischen Pflegebetriebs.

Beachten Sie aber, dass nur jene Mitarbeiter den Pflegemindestlohn erhalten, wenn diese auch größtenteils Pflegeleistungen erbringen.

Diese Betriebe sind vom Pflegemindestlohn ausgenommen

Nicht auf alle Betriebe, die „irgendwas mit Pflege“ zu tun haben, gelten die Vorgaben zum Pflegemindestlohn. Ausgenommen sind vor allem Krankenhäuser. Aber ebenso auch Einrichtungen, in denen die Leistungen zur medizinischen Vorsorge oder zur medizinischen Rehabilitation im Vordergrund stehen. Auch Einrichtungen, die sich vor allem um die Teilnahme am Arbeitsleben oder am Leben in der Gemeinschaft, um die schulische Ausbildung oder um die Erziehung kranker oder behinderter Menschen kümmern, sind hier ausgenommen.

Für diese Mitarbeiter gilt der Pflegemindestlohn nicht!

Ein paar Bereiche in einem Pflegebetrieb sind vom Pflegemindestlohn ausgenommen. Dies betrifft Mitarbeiter in den Bereichen Verwaltung, Haustechnik, Küche, hauswirtschaftlicher Versorgung, Gebäudereinigung, Empfangs- und Sicherheitsdienst, Garten- und Geländepflege, Wäscherei und Logistik.

Wer Pflegemindestlohn erhält, muss den größten Teil seiner/ihrer Arbeit mit der Erfüllung von Pflegeleistungen verbringen. Diese Vorgaben gelten für alle in Deutschland arbeitende Mitarbeiter eines Pflegebetriebs – egal, ob dieser seinen Sitz in Deutschland oder im Ausland hat. Auch für Leiharbeiter/innen gelten die Pflegemindestlohn-Regeln.

Der Mindestlohn auch für Azubis, Schüler und Praktikanten?

Wer noch in der Ausbildung ist, hat in Detuschland kein Anrecht auf den Pflegemindestlohn. Hierbei spielt es auch keine Rolle, ob man direkt im Betrieb ausgebildet wird oder ob man in einer Pflegeschule ist. Nach dem Mindestlohngesetz besteht aber nach einem halben Jahr das Anrecht auf den allgemeinen Mindestlohn, wenn man zuvor arbeitslos war (aber nicht länger als 1 Jahr).

Für Praktikanten/innen in der Pflegebranche gilt der Pflegemindestlohn ebenfalls nicht. Bezüglich des allgemeinen Mindestlohns gelten hier dieselben Regeln wie in anderen Branchen auch.

Für Privathaushalte gilt der allgemeine Mindestlohn!

Wird eine Pflegekraft von einem Privathaushalt beschäftigt, um häusliche Pflege zu leisten, gilt nicht das Anrecht auf Pflegemindestlohn. Das liegt daran, dass ein Privathaushalt nicht als Betrieb gesehen wird. Die Gesetze zum allgemeinen Mindestlohn gelten in Privathaushalten aber.

Übrigens: Genauso ist es auch bei Wohngruppen oder Wohngemeinschaften. Ist eine solche Wohngruppe aber nicht in einem Privathaushalt, sondern ist ein eigenständiger Betrieb (mit dem Ziel, unternehmerisch tätig zu sein), gelten wiederum die Vorgaben zum Pflegemindestlohn.

So kam es zum Pflegemindestlohn

Grundlage für den Pflegemindestlohn ist das Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG), das Mindeststandards für mehrere Branchen in Deutschland festlegt. Mit einer Neufassung von 2009 wurde nämlich auch die Pflegebranche aufgenommen. Auf Grundlage dessen wurde eine Kommission aus Mitgliedern von Gewerkschaften, Vereinigungen und kirchlichen Diensten gegründet, die eine Pflegearbeitsbedingungenverordnung einführte. Zum 1. August 2010 wurde dann der erste Pflegemindestlohn eingeführt – 8,50 Euro/Stunde in West-Deutschland (und Berlin) und 7,50 Euro/Stunde in Ost-Deutschland.

In den folgenden Jahren gab es immer wieder neue Pflegemindestlohnverordnungen und Mindestlohnanhebungen. In der Regel werden verpflichtetende Anhebungen schrittweise durchgeführt. Die neueste Anhebung wurde durch die 4. Pflegemindestlohnkommission ermöglicht und soll bis 2022 abgeschlossen werden.

Der neue Pflegemindestlohn: Qualifikationsunterschiede und Angleichung

Bereits 2019 zeichnete sich ab, dass langfristig die Unterscheidung zwischen West- und Ostdeutschland wegfallen soll. So entschied die 4. Pflegemindestlohnkommission, dass es bis Ende April 2022 ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn in der Pflege geben soll.

Die andere große Neuheit: Beim Pflegemindestlohn wird zukünftig zwischen der Höhe der Qualifikation unterschieden. Der allgemeine Pflegemindestlohn fällt bei folgenden drei Gruppen unterschiedlich aus:

  • Pflegehilfskräfte ohne Qualifikation (gültig seit 1. Mai 2020)

  • Pflegehilfskräfte mit Qualifikation/Ausbildung von mind. 1 Jahr (gültig ab 1. April 2021)

  • Pflegefachkräfte mit Ausbildung von mindestens 3 Jahren (gültig ab 1. Juli 2021)

Im Folgenden werden die drei Varianten ausführlich vorgestellt.

Neuer Pflegemindestlohn: Pflegehilfskräfte ohne Qualifikation

Der bisherige Pflegemindestlohn ging am 1. Mai 2020 in den neuen Pflegemindestlohn für Pflegehilfskräfte über. Dieser bleibt auch zukünftig für alle Pflegehilfskräfte bestehen, die keine Qualifikation haben bzw. keine Ausbildung von mindestens 1 Jahr haben.

Am 1. Juli 2020 stieg der Pflegemindestlohn für Hilfskräfte an. Im September 2021 wird dieser einheitlich für alle Pflegehilfskräfte (ohne Qualifikation) in ganz Deutschland; eine Unterscheidung zwischen Ost und West fällt damit weg. Auf der letzten Stufe der Erhöhung gelangt der Pflegemindestlohn am 1. April 2022 und wird dann 12,55 Euro/Stunde betragen.

Anhebung des Pflegemindestlohns für Hilfskräfte ohne Qualifikation (nach Region)

Lohnart gültig ab Alte Bundesländer + Berlin Neue Bundesländer
Pflegemindestlohn für Hilfskräfte 1.4.2022 12,55 € 12,55 €
Pflegemindestlohn für Hilfskräfte 1.9.2021 12,00 € 12,00 €
Pflegemindestlohn für Hilfskräfte 1.4.2021 11,80 € 11,50 €
Pflegemindestlohn für Hilfskräfte 1.7.2020 11,60 € 11,20 €
Pflegemindestlohn 1.1.2020 11,35 € 10,85 €
Pflegemindestlohn 1.1.2019 11,05 € 10,55 €
Pflegemindestlohn 1.1.2018 10,55 € 10,05 €
Pflegemindestlohn 1.1.2017 10,20 € 9,50 €
Pflegemindestlohn 1.1.2016 9,75 € 9,00 €
Pflegemindestlohn 1.1.2015 9,40 € 8,65 €
Pflegemindestlohn 1.7.2013 9,00 € 8,00 €

Neuer Pflegemindestlohn: Pflegehilfskräfte mit Qualifikation

Ab dem 1. April 2021 erhalten Pflegehilfskräfte mit einer Qualifikation (also mit einer mindestens 1-jährigen Ausbildung) einen eigenen Pflegemindestlohn. (Bis dahin gilt der oben genannte Pflegemindestlohn für Hilfskräfte ohne Qualifikation.)

Direkt zum 1. April wird es eine Erhöhung geben. Am 1. September 2021 wird dieser Mindestlohn vereinheitlich: Die qualifizierten Hilfskräfte aus Ostdeutschland erhalten dann den Pflegemindestlohn Westdeutschlands/Berlins. Abgeschlossen werden die Neuerungen mit einer Erhöhung des Mindestlohns am 1. April 2022 (bundeseinheitlich 13,20 Euro/Stunde).

Anhebung des Pflegemindestlohns für Hilfskräfte mit 1-jähriger Qualifikation (nach Region)

Lohnart gültig ab Alte Bundesländer + Berlin Neue Bundesländer
Pflegemindestlohn für qual. Hilfskräfte 1.4.2022 13,20 € 13,20 €
Pflegemindestlohn für qual. Hilfskräfte 1.9.2021 12,50 € 12,50 €
Pflegemindestlohn für qual. Hilfskräfte 1.4.2021 12,50 € 12,20 €
Pflegemindestlohn (wie unqual. Hilfskräfte) 1.7.2020 11,60 € 11,20 €
Pflegemindestlohn 1.1.2020 11,35 € 10,85 €
Pflegemindestlohn 1.1.2019 11,05 € 10,55 €
Pflegemindestlohn 1.1.2018 10,55 € 10,05 €
Pflegemindestlohn 1.1.2017 10,20 € 9,50 €
Pflegemindestlohn 1.1.2016 9,75 € 9,00 €
Pflegemindestlohn 1.1.2015 9,40 € 8,65 €
Pflegemindestlohn 1.7.2013 9,00 € 8,00 €

Neuer Pflegemindestlohn: Pflegefachkräfte

Als drittes erhalten Pflegefachkräfte einen eigenen Pflegemindestlohn. Voraussetzung für die Fachkräfte ist eine Ausbildung von mindestens 3 Jahren. Bis es aber zu dem eigenen Midnestlohn kommt, gelten erst noch der Mindestlohn für unqualifizierte Pflegehilfskräfte und dann ab dem 1. April 2021 der Mindestlohn für qualifizierte Hilfskräfte (siehe oben).

Ab dem 1. Juli 2021 wird der Pflegemindestlohn für die qualifizierten Pflegefachkräfte eingeführt. Hier findet auch direkt eine Vereinheitlichung statt, so dass es keine Unterschiede zwischen West-Deutschland/Berlin und Ost-Deutschland mehr geben wird. Zum 1. April 2022 kommt der neue Pflegemindestlohn für Fachkräfte mit einer weiteren Erhöhung auf 15,40 Euro/Stunde zum Abschluss. Verglichen zum 1. Januar 2020 sind das in West-Deutschland/Berlin 36 % mehr Lohn und in Ost-Deutschland sogar 42 % mehr Lohn. Für Pflegefachkräfte lohnt sich die 4. Pflegemindestlohnerhöhung am meisten.

Anhebung des Pflegemindestlohns für ausgebildete Fachkräfte (nach Region)

Lohnart gültig ab Alte Bundesländer + Berlin Neue Bundesländer
Pflegemindestlohn für Fachkräfte 1.4.2022 15,40 € 15,40 €
Pflegemindestlohn für Fachkräfte 1.7.2021 15,00 € 15,00 €
Pflegemindestlohn (wie qual. Hilfskräfte) 1.4.2021 12,50 € 12,20 €
Pflegemindestlohn (wie Hilfskräfte) 1.7.2020 11,60 € 11,20 €
Pflegemindestlohn 1.1.2020 11,35 € 10,85 €
Pflegemindestlohn 1.1.2019 11,05 € 10,55 €
Pflegemindestlohn 1.1.2018 10,55 € 10,05 €
Pflegemindestlohn 1.1.2017 10,20 € 9,50 €
Pflegemindestlohn 1.1.2016 9,75 € 9,00 €
Pflegemindestlohn 1.1.2015 9,40 € 8,65 €
Pflegemindestlohn 1.7.2013 9,00 € 8,00 €

Der gesetzliche Mindesturlaub

Neben einem Mindestlohn kümmert sich die Kommission auch darum, dass es einen gesetzliche Mindesturlaub gibt. Dieser wurde nun mit der 4. Pflegearbeitsbedingungenverordnung ebenfalls erhöht: Ausgehend von einer 5-Tage-Woche stehen einem Arbeitnehmer in der Pflege 2020 insgesamt 25 Urlaubstage zu (also 5 Tage mehr der branchenunabhängige gesetzliche Mindesturlaub). 2021 und 2022 wird es jährlich 26 Mindesturlaubstage geben. Hier gelten bei den Betrieben und den Arbeitern die selben Bedingungen und Ausnahmen wie beim Pflegemindestlohn (siehe oben).

Beachten Sie: Die Erhöhung des Mindesturlaubs auf zusätzliche 5 bzw. 6 Tage lassen sich nicht pauschal auf andere Regelungen, z. B. durch Tarifverträge, anwenden. Wer z. B. Anspruch auf einen tariflichen Mehrurlaub von 2 Tagen erhält, erhält durch den gesetzlichen Mindesturlaub nach der 4. Pflegearbeitsbedingungenverordnung je nach Jahr nur noch 3 bzw. 4 Tage Mehrurlaub. Der Mindesturlaub übersteigt die Gesamtzahl von 25 Tagen (in 2020) bzw. 26 Tagen (in 2021/2022) nicht.

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