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Interview: Alles zur vereinfachten Dokumentation von Pflegetätigkeiten

Wir sprachen 2014 mit Dr. rer. oec. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) über eine Veränderungen einer vereinfachten Dokumentation von Pflegetätigkeiten. Alle Infos zur Strukturierten Informationssammlung (SIS).

Herr Dr. Pick, rechnen Sie mit einem Durchbruch einer vereinfachten Pflegedokumentation?

Dr. Peter Pick: Das Projekt „Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation“ unter Leitung von Elisabeth Beikirch, der Ombudsfrau der Bundesregierung für die Entbürokratisierung in der Pflege, hat Empfehlungen für eine schlanke Pflegedokumentation auf einem anerkannten fachlichen Niveau entwickelt.

Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass auch eine bürokratiearme Pflegedokumentation umgesetzt werden kann. Die relevanten Akteure waren an der Entwicklung der Modellbögen beteiligt, die dann breit in der Praxis getestet wurden. Dieser Praxistest wurde von Trägerorganisationen und Verbänden, Kostenträgern, Medizinischem Dienst sowie den Ländern und Verbraucherverbänden umfassend unterstützt und ist von allen Beteiligten positiv aufgenommen worden. Das sind gute Voraussetzungen für eine baldige Einführung.

Wovon hängt es Ihrer Meinung nach ab, ob in der Pflege zukünftig effizienter dokumentiert wird?

Dr. Peter Pick: Jetzt wird es darauf ankommen, dass die Einrichtungen die Chance nutzen und eine eigene Pflegedokumentation auf der Basis dieser Struktur einführen. Dafür ist auf Einrichtungsseite die entsprechende fachliche Kompetenz nötig. Außerdem brauchen Einrichtungen natürlich die Unterstützung der Leistungserbringer-Verbände. Wir als Medizinischer Dienst sind überzeugt, dass wir auch mit der neuen Pflegedokumentation die notwendigen Informationen für die Qualitätsprüfung erhalten.

Gibt es schon konkrete Vorstellungen zu einer vereinfachten Dokumentations-Struktur?

Dr. Peter Pick: Viele professionell Pflegende äußern Unzufriedenheit mit dem Umfang der „Bürokratie“ in ihrem Arbeitsalltag und wünschen sich mehr Zeit für die direkte Pflege. Andererseits sind die Anforderungen an die Pflegedokumentation in den vergangenen Jahren angestiegen. Auf diese gestiegenen Anforderungen haben viele Pflegeeinrichtungen nicht mit einer fachlich fundierten Anpassung ihrer Dokumentation reagiert, sondern eher mit „zusätzlichen Dokumentationsblättern“, um sich dadurch noch stärker „abzusichern“. 

Der vorliegende Vorschlag soll dazu dienen, dass die Kommunikation gestärkt wird. Es geht also nicht darum, nur die Menge der zu dokumentierenden Items zu reduzieren. Sondern, die Effizienz der Pflegedokumentation zu steigern und Informationen zur Pflege und Betreuung zur Verfügung zu stellen.

Wie sieht dieser Vorschlag konkret aus?

Dr. Peter Pick: Es wurde ein Modell entwickelt, mit dem die Struktur der Pflegedokumentation standardisiert werden kann. Das Strukturmodell basiert auf den vier Phasen aus dem Pflegeprozessmodell der WHO:

  1. Pflegebedarf einschätzen
  2. Pflegeplan erstellen
  3. Pflegeplan ausführen
  4. Evaluation der Pflege

Ganz zentral für die Qualität der Pflege ist zunächst die Sammlung der pflegerelevanten Informationen über den Pflegebedürftigen. Dies erfolgt über eine strukturierte Informationssammlung. Zudem wurde ein Verfahren zum rationalen Umgang mit der Risikoeinschätzung pflegesensitiver Themen erprobt. 

Die Planung der Maßnahmen für die grundpflegerische Regelversorgung und die Behandlungspflege sowie ihre Dokumentation werden auf das Handlungsleitende beschränkt. Nach diesem Modell müssen aber auch in Zukunft die Behandlungspflege und Maßnahmen des Risikomanagements dokumentiert werden. Es entfallen die Einzelleistungsnachweise in stationären Einrichtungen für tägliche Routinen, und im Pflegebericht wird nur noch die Abweichung von der grundpflegerischen Regelversorgung dokumentiert. Im Moment sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – genau das soll sich in Zukunft ändern.

Wie können die Wünsche der Menschen, die gepflegt werden, zukünftig besser berücksichtigt und gleichzeitig eine straffere Abwicklung der Dokumentation gewährleistet werden?

Dr. Peter Pick: Die Ausgangsbasis des neuen Dokumentationskonzepts ist ja gerade die Klientenperspektive. Sie wird konkret in die Pflegedokumentation und -planung einbezogen. Dazu wird in der Informationssammlung der Pflegebedürftige nach den aus seiner Sicht drängendsten Problemen und nach möglichen Lösungen gefragt und welche Unterstützungsangebote von Seiten der Einrichtungen nötig wären. Das braucht Zeit.

Zugleich wird es eine Zeitersparnis dadurch geben, dass die Dokumentation straffer wird. Die Devise ist also: „Klasse statt Masse“. Ich bin sicher, dass dies zu einer Verbesserung der Versorgung und zu mehr Transparenz im Sinne der Pflegebedürftigen führen wird.


Wir danken Herrn Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) für das Interview.

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