Was könnte man an den wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen verbessern?
An den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeitet der Gesetzgeber bereits. Bei den strukturellen Bedingungen müssen wir schauen, wie wir das jetzt ausgestaltet bekommen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn zum Beispiel beim Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das auch die Telematik-Infrastruktur regelt, von allen Heilmittelerbringen nur die Physiotherapeuten berücksichtigt werden. Es geht ja nicht nur um Geld, sondern auch um Bürokratieabbau oder darum, dass wir Heilmittelerbringer das anwenden dürfen, was wir können. Aus diesem Grund halten wir auch den optionalen Direktzugang für sinnvoll. Bisher gibt es für die Patienten immer nur den Umweg über den Arzt. Das ist schade.
Ist nicht die Blankoverordnung ein erster Schritt in die richtige Richtung?
Nein! Die Blankoverordnung ist für uns kein Fortschritt. Wir denken, die wirtschaftliche Verantwortung gehört dorthin, wo auch die fachliche Verantwortung und vor allem Expertise liegt. Im Falle des Direktzuganges wäre das anders. Wir wollen nicht den Direktzugang als Selbstzweck, sondern für die bestmögliche Patientenversorgung. Es könnten Wartezeiten verkürzt, Behandlungswege beschleunigt und Arztzeiten eingespart werden. Auch im Angesicht des demografischen Wandels ist ein Versäumnis, uns nicht auf die Einbindung in die direkte Versorgung vorzubereiten. Und zudem macht die Direktversorgung auch einen Beruf attraktiver. Da ich anwenden und leisten darf, was ich gelernt habe.
Was empfehlen Sie noch, um die Branche – oder die Logopädie im Speziellen – attraktiver zu machen?
Es sollten bessere Aufstiegsmöglichkeiten geben. Es muss möglich werden, in der Logopädie zu promovieren und zu habilitieren. Das aktuelle Berufsgesetz für den Bereich Logopädie stammt von 1980 und manifestiert seit dem die berufsfachschulische Ausbildung. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das nicht die hochschulische Ausbildung in der Logopädie als Regelausbildung vorsieht. Das sorgt für Ungerechtigkeit auf dem europäischen Arbeits- und Bildungsmarkt und schwächt die Entwicklung der Profession massiv und damit auch Patientenversorgung. Wir glauben, die bestmögliche Patientenversorgung findet dann statt, wenn eine standardisierte Ausbildung hochschulisch verankert ist. Daher gibt es für uns noch viel zu tun.
Vielen Dank für das Gespräch.