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Nach Jahren der Ankündigungen kommt endlich Bewegung in ein heiß diskutiertes Thema: Der Direktzugang zu Heilmittelerbringern – allen voran zur Physiotherapie. Der VPT (Verband für Physiotherapie) hat vor Kurzem offiziell bestätigt: „Das Bundesministerium für Gesundheit prüft derzeit eine gesetzliche Regelung, die es den Verbänden der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten und den Krankenkassen ermöglicht, den Direktzugang von Patientinnen und Patienten zur physiotherapeutischen Versorgung in Modellvorhaben zu erproben.“ Diese Ankündigung erfolgte im Rahmen eines Besuchs von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken am Gesundheitscampus Calw, wo VPT-Bundesvorstand Matthias Grötzinger die Forderungen des Verbandes adressierte.
Für Praxisinhaberinnen und -inhaber sowie Therapeutinnen und Therapeuten in der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Denn die Frage des Direktzugangs wird seit Jahrzehnten debattiert – und könnte nun im Rahmen des geplanten Primärversorgungssystems einen entscheidenden Schritt vorankommen.
Was bedeutet Direktzugang konkret?
Beim Direktzugang können Patientinnen und Patienten ohne den Umweg über die Hausarztpraxis und ohne eine ärztliche Verordnung direkt zu Heilmittelerbringern gehen.
Die Therapeutinnen und Therapeuten entscheiden eigenverantwortlich über Diagnostik, Art und Umfang der Behandlung.
International ist so ein Modell längst Standard: In vielen europäischen und außereuropäischen Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien, Australien oder den skandinavischen Staaten haben Patientinnen und Patienten bereits einen Direktzugang zur Physiotherapie.
In Deutschland erlaubt die aktuelle Rechtslage den Direktzugang nicht als Regelversorgung.
Die seit 2019 verankerte Blankoverordnung war ein erster vorsichtiger Schritt in diese Richtung: Hierbei stellt der Arzt eine Verordnung ohne konkrete Therapievorgaben aus, und die Heilmittelerbringer entscheiden eigenverantwortlich über Behandlungsfrequenz und -dauer. Seit 2024 ist die Blankoverordnung für Ergotherapie und Physiotherapie verfügbar – die Logopädie lehnt sie jedoch rigoros ab, da die Berufsverbände direkt den vollständigen Direktzugang fordern.
Direktzugang trifft Primärversorgungssystem
Ende Januar 2026 startete Gesundheitsministerin Nina Warken offiziell den Dialogprozess zur Erarbeitung des sogenannten Primärversorgungssystems – bisher aber noch ohne den konkreten Bezug zur Physiotherapie. Ziel ist eine effizientere Versorgungssteuerung: Patienten sollen künftig über klar strukturierte Zugangswege – primär die Hausärztinnen und Hausärzte, ergänzt durch digitale Ersteinschätzungsverfahren – schneller die richtige Behandlung erhalten. Wie Warken bei der Auftaktveranstaltung betonte: „Am Ende werden alle Seiten von dieser Reform profitieren.“
Der VPT kommentierte die nun angekündigten Modellvorhaben mit deutlicher Zustimmung: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass nach Jahren der Ankündigungen nun endlich konkrete Bewegung in das Thema kommt. Klar ist für uns: Primärversorgung und eine effizientere Patient*innenversorgung können nur funktionieren, wenn die Kompetenzen der Physiotherapeut*innen konsequent genutzt werden. Nur so können wir besser behandeln und gleichzeitig Kosten im System sparen.“
Bereits im September 2025 hatte der IFK (Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten) in einem ausführlichen Positionspapier gefordert, die Physiotherapie stärker in die Primärversorgung einzubinden und den Direktzugang zu ermöglichen. Dass dies nun tatsächlich im Rahmen der Primärversorgungsreform realisiert werden könnte, werten Verbände als überfälligen Schritt.
Frühere Modellprojekte zeigten bereits positive Ergebnisse
Modellprojekt 2018: Das Deutsche Ärzteblatt berichtete über ein Modellvorhaben, bei dem die ärztliche Verordnung unkenntlich gemacht wurde. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten entschieden eigenverantwortlich über Art, Dauer und Frequenz der Heilmittel. Ergebnis: hohe Behandlungsqualität bei gleichzeitigen Kosteneinsparungen.
Internationale Evidenz: Eine Zusammenstellung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages aus dem Jahr 2022 belegt mit internationalen Studien: Direktzugang führt zu schnellerem Behandlungsbeginn, höherer Patientenzufriedenheit und effektiveren Behandlungsverläufen.
Systemeffekte: Ärztinnen und Ärzte werden entlastet, Ressourcen im Gesundheitssystem geschont.
Forderungen gehen über Physiotherapie hinaus
Während die aktuellen Modellvorhaben zunächst nur die Physiotherapie betreffen, fordern auch andere Heilmittelberufe seit Langem den Direktzugang. Die Logopädie-Berufsverbände dbl, dbs und dba formulierten in ihrem gemeinsamen Positionspapier 2021: „Der Direktzugang in der Logopädie ist internationaler Standard und wird im europäischen und außereuropäischen Ausland erfolgreich umgesetzt.“
Die Verbände argumentieren, dass die akademische Ausbildung von Logopäden, Ergotherapeuten sowie Physiotherapeuten die fachlichen Kompetenzen für eigenverantwortliche Diagnostik und Therapieplanung längst vermittelt. Dagmar Karrasch, Präsidentin des dbl (Deutscher Bundesverband für Logopädie), formulierte es in einem DMRZ-Interview unmissverständlich: „Unser Anspruch bleibt die Einführung des Direktzugangs.“
Warum der Direktzugang längst überfällig ist
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Schnellere Versorgung: Patientinnen und Patienten erhalten ohne Umwege zeitnah Zugang zu Therapie. Gerade bei akuten Beschwerden kann dies den Behandlungserfolg erheblich verbessern.
Entlastung der Arztpraxen: Hausärztinnen und Hausärzte können sich auf Fälle konzentrieren, die tatsächlich ärztliche Expertise erfordern, statt Routineverordnungen auszustellen.
Kosteneffizienz: Weniger Mehrfachinanspruchnahme verschiedener Versorgungsebenen spart Ressourcen. Internationale Studien belegen geringere Gesamtbehandlungskosten bei gleichbleibender oder besserer Qualität.
Höhere Therapietreue: Patienten, die aktiv Behandlung suchen, zeigen höhere Motivation und Eigeninitiative – mit entsprechend besseren Behandlungsergebnissen.
Fachkräftemangel begegnen: Die konsequente Nutzung therapeutischer Kompetenzen ist angesichts des Ärztemangels besonders in ländlichen Regionen essenziell.
Das Positionspapier der Logopädie-Verbände bringt es auf den Punkt: „Kompetenzen nutzen – Ressourcen schonen.“ In einer Zeit, in der das Gesundheitssystem unter Kostendruck steht und gleichzeitig der demografische Wandel die Nachfrage nach Versorgung erhöht, kann es sich Deutschland nicht leisten, vorhandene Fachkompetenz ungenutzt zu lassen.
Wie geht es weiter?
Offen bleibt derzeit, ob die Modellvorhaben ausschließlich die Physiotherapie betreffen oder von Beginn an auch andere Heilmittelbereiche einbeziehen. Ebenso unklar ist der genaue Zeitplan: Wann die gesetzliche Regelung kommt und wie schnell Modellvorhaben starten können, ist noch nicht kommuniziert.
Doch die Richtung ist klar: Nach Jahrzehnten der Debatte und Jahren der Ankündigungen scheint die Politik endlich konkrete Schritte zu gehen. Für Heilmittelerbringer bedeutet dies, dass sie sich auf mögliche Veränderungen vorbereiten sollten – und gleichzeitig die Chance haben, die Diskussion aktiv mitzugestalten.
Der VPT formuliert die gemeinsame Hoffnung vieler Therapeutinnen und Therapeuten: Dass es nicht bei Ankündigungen bleibt, sondern der Direktzugang zeitnah als Regelversorgung etabliert wird. Nicht nur für die Physiotherapie, sondern für alle Heilmittelberufe. Denn wie die internationale Erfahrung zeigt: Patientinnen und Patienten, Therapeutinnen und Therapeuten und das Gesundheitssystem insgesamt profitieren davon.
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LinkedIn-Post des VPT zum Thema
Positionspapier der Logopädie-Verbände
Artikel des IFK zur Direktversorgung
Artikel des Deutschen Ärzteblatts (2018)
Dokumentation des Bundestags zum Direktzugang (PDF)
Allgemeiner Hinweis: Unsere Blogartikel dienen lediglich zur Information und bieten einen Überblick über das Thema. Trotz sorgfältiger Recherche und Prüfung können wir keine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen und Daten übernehmen. Konkrete Informationen findest du unter den jeweils genannten Quellen.

