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Seit April diesen Jahres veröffentlichen wir Beiträge aus dem Heilmittelbereich – seit heute (05.10.2021) ergänzen wir unseren Blog um Themen aus dem Bereich Krankentransport.

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Interview mit Marcus Troidl (VDB)
Allgemein, Heilmittel

Interview mit Marcus Troidl (VDB): „Die Hygienepauschale wird fast zur Lachnummer“

Wie Corona die Arbeit in der Physiotherapie verändert hat, berichtet uns Marcus Troidl, Vorsitzender des VDB-Physiotherapieverbands, im Interview.

Die Corona-Pandemie beeinflusst das deutsche Gesundheitssystem spürbar – auch im Bereich der Physiotherapie. Zu Beginn der Pandemie wurden spezielle Maßnahmen wie die Videotherapie oder die Hygienepauschale eingeführt. Aber reicht das? Was muss passieren, um als Physiotherapeut:in zukünftig besser gegen eine solche Ausnahmesituation gewappnet zu sein? Wir sprachen über die aktuelle Stimmung in der Physiotherapiebranche mit Marcus Troidl, dem Vorsitzenden des VDB-Physiotherapieverbands, in einem exklusiven DMRZ.de-Interview.

Inwiefern hat die Corona-Pandemie die Arbeit der Physiotherapeut:innen verändert? Wie ist die Stimmung in Ihrer Branche?

Marcus Troidl: Die Arbeitsbelastung ist enorm gestiegen und die Kolleg:innen waren insbesondere zu Beginn der Pandemie einem großen Infektionsrisiko ausgesetzt. Mittlerweile ist ausreichend Schutzmaterial vorhanden. Physiotherapeut:innen erhielten früh ein Impfangebot und die Praxen sind derzeit gut besucht. Die ambulante Versorgung wird geschätzt und in großem Maße genutzt.

Allerdings können Hausbesuche kaum noch durchgeführt werden, da das Personal fehlt, denn der Fachkräftemangel ist weiter angestiegen. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen. Die Stimmung ist gut.

Eine Maßnahme, die aufgrund der Pandemie umgesetzt wurde, ist die Hygienepauschale für die Heilmittelbranche. Es wird aber auch gerne kritisiert, dass diese mit 1,50 Euro viel zu gering ausfällt.

Marcus Troidl: 1,50 Euro pro Rezept ist in der Tat viel zu wenig. Wenn wir bedenken, dass ein Rezept sechs, oder zwölf oder 36 Behandlungen beinhalten kann, dann wird die Hygienepauschale fast zur Lachnummer. Wir haben das in unseren Stellungnahmen an das Bundesgesundheitsministerium mehrfach deutlich gemacht. Es wäre an dieser Stelle von politischer Seite so einfach, die Gesundheitsfachberufe konkret zu unterstützen, in dem die Hygienepauschale entsprechend den tatsächlichen Kosten angehoben wird. Wir müssen uns vor Augen führen, es geht hier um Infektionsschutz in einer Pandemie. Vollkommen unverständlich, dass an dieser Stelle gespart wird.

Wie wird die Pandemie die Heilmittelarbeit langfristig beeinflussen? Wie ist Ihre Prognose?

Marcus Troidl: Die Wertschätzung der Gesundheitsfachberufe muss zunehmen und sich monetär niederschlagen, sonst haben wir langfristig ein Problem mit der medizinischen Versorgung. Wir befinden uns im demografischen Wandel, der mit einem steigenden Bedarf an physiotherapeutischen Leistungen einhergeht. Und jetzt kommt auch noch die Versorgung von Long-Covid-Patient:innen dazu. Physiotherapie spielt hier eine Schlüsselrolle.

Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass wir mehr Gesundheitspersonal benötigen, nicht weniger. Es fehlen noch die konkreten Umsetzungsschritte, um die Gesundheitsberufe wirklich attraktiv aufzustellen, damit Schulabgänger:innen sie auch in Zukunft erlernen möchten. Hier ist noch Luft nach oben.

Vielen Dank für das Interview.

 

Wir sprachen bereits Anfang September 2021 mit Marcus Troidl. Dabei ging es um den Start der Heilmittel-Richtlinie, über den neuen Bundesrahmenvertrag für Physiotherapeut:innen und um das damit verbundene Schiedsverfahren. Wie Marcus Troidl die aktuelle Situation sieht, kannst Du hiernachlesen.

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