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Seit April diesen Jahres veröffentlichen wir Beiträge aus dem Heilmittelbereich – seit heute (05.10.2021) ergänzen wir unseren Blog um Themen aus dem Bereich Krankentransport.

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Bundesrahmenvertrag für Physiotherapeut:innen
Allgemein, Heilmittel

Interview mit Marcus Troidl (VDB): „Das Schiedsverfahren ist miserabel gelaufen“

DMRZ.de sprach mit Marcus Troidl, dem Vorsitzenden des VDB-Physiotherapieverbands unter anderem über den finalen Bundesrahmenvertrag.

2021 passiert viel im Heilmittelbereich – insbesondere in der Physiotherapie: Die neue Heilmittel-Richtlinie wurde eingeführt, über die Umsetzung der Blankoverordnung wird noch verhandelt und der Bundesrahmenvertrag für Physiotherapeut:innen konnte nun endlich am 1. August 2021 in Kraft treten. Gerade letzteres sorgte für viel Frust. Wir sprachen darüber mit Marcus Troidl, Vorsitzender des VDB-Physiotherapieverbands.

Herr Troidl, seit Januar 2021 gilt die neue Heilmittel-Richtlinie. Wie ist Ihre derzeitige Bilanz?

Marcus Troidl: Die Verunsicherung war anfangs groß. Wird eine neue Heilmittel-Richtlinie Erleichterung bringen oder wird alles noch komplizierter? Die Bilanz ist, dass sie nichts leichter gemacht hat, nur anders. Letztlich hatten alle Therapeut:innen viel Arbeit damit.

Im Zuge des Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und der neuen Heilmittel-Richtlinie war auch ein neuer Bundesrahmenvertrag fällig. Weshalb zog sich dieser?

Marcus Troidl: Wir haben für höhere Vergütungen gekämpft, die uns eine Praxisführung unter wirtschaftlichen Aspekten und eine Bezahlung unserer Mitarbeiter:innen nach Tarif ermöglichen. Obwohl die ambulante Versorgung in Deutschland an Bedeutung zunimmt, wird sie immer noch wie das Stiefkind behandelt und entsprechend schlecht bezahlt. In unserem Falle in Form von zu geringen Vergütungsleistungen für physiotherapeutische Behandlungen.

Wir haben aber auch für bessere Rahmenbedingungen gekämpft. Sprich: für eine bessere Leistungsbeschreibung. Da ging es zum Beispiel um die Erweiterung der reinen Behandlungszeit abzüglich des Verwaltungsaufwandes, Begrüßung, An- und Ausziehen, Befundung und andere Aspekte. Über die Parameter einer neuen Leistungsbeschreibung haben wir lange mit den Kassen gerungen. Am Ende stimmten die Kassen zu und boten Vergütungen an, die das Absinken der Minutenleistung bedeutet hätten. Diesen Schachzug der Kassen konnten wir gerade noch verhindern.

Sind Sie denn mit dem bisherigen Ausgang des Schiedsverfahrens zum Bundesrahmenvertrag zufrieden?

Marcus Troidl: Das Schiedsverfahren ist miserabel gelaufen. Das halten wir fest. Es ist erst einmal gut, dass die Kolleg:innen eine Vergütungserhöhung von 14,09 Prozent erhalten. Das ist aber immer noch kein Preis, der eine Praxisführung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ermöglicht. Daher haben wir gemeinsam mit den anderen maßgeblichen Verbänden in der Physiotherapie eine Klage gegen Teile des 2. Schiedsspruchs auf den Weg gebracht.

Auch noch offen ist die Umsetzung der in der Heilmittel-Richtlinie geregelten Blankoverordnung. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Marcus Troidl: Aktuell verhandeln die maßgeblichen Verbände mit dem GKV-Spitzenverband noch die Voraussetzungen für die Anwendung der Blankoverordnung. Der VDB-Physiotherapieverband möchte alle Diagnosen und Therapien einbeziehen und alle Praxen – egal mit oder ohne Zertifikate –, da eine Blankoverordnung sonst keinen Sinn macht. Warum unsere gut ausgebildeten Kolleg:innen nicht für alle Diagnosen, die Art des Heilmittels, die Dauer und Frequenz auswählen sollen, entbehrt jeder ernsthaften Diskussion. Dieser Auffassung sind aber nicht alle Vertragspartner:innen.

Vielen Dank für das Interview.

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