Orthopädietechnik

Zwischen Hoffen und Bangen

21.05.2008: Trotz der in der Orthopädietechnikbranche derzeit weit verbreiteten düsteren Stimmung, blickt der Industrieverband eurocom e.V. (Europäische Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel) positiv in die Zukunft. "Im internationalen Vergleich steht Deutschland in der Orthopädietechnik seit Jahren unangefochten an der Spitze", so der Geschäftsführer der eurocom, Dr. Ernst Pohlen.

"In Innovation und Entwicklung neuer Produkte sind deutsche Hersteller führend, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die Zusammenarbeit mit wissenschaftlich tätigen Ärzten außerordentlich gut ist. Das und die Tatsache, dass der Bedarf an orthopädietechnischen Produkten durch den demografischen Wandel in Zukunft eher wachsen wird, gibt uns Anlass zu der Hoffnung, dass auch die weitere Entwicklung positiv sein wird. Denn so gute Ausgangsbedingungen hat wahrlich nicht jede Branche." Die eurocom ist sich zudem sicher, dass nicht nur die Hersteller von dieser Situation profitieren, sondern letztlich auch ihre Kunden, die Leistungserbringer.

Trotz dieser eher erfreulichen Aussichten verhehlt der Industrieverband nicht, dass auf die Orthopädietechnik umfangreiche Umwälzungen zukommen, die derzeit für Verunsicherung und Unruhe vor allem auf Seiten der Leistungserbringer sorgen. "Dass die unmittelbar im Markt Tätigen, also in erster Linie die Betreiber von Sanitätshäusern und die Orthopädieschuhtechniker, zur Zeit pessimistischer in die Zukunft schauen, verwundert nicht", so Pohlen. "Durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz sind die Leistungserbringer nicht nur erneut mit Sparmaßnahmen konfrontiert, sondern sie müssen sich vor allem dirigistischen Eingriffen stellen, die auf eine strukturelle Veränderung abzielen."Die eurocom nennt in diesem Zusammenhang den Wegfall der Zulassung von Leistungserbringern zum Jahresende, der ihrer Auffassung nach erhebliche Konsequenzen haben könnte. Das bestehende Ungleichgewicht zwischen der mittelständisch geprägten Struktur auf Leistungserbringerseite und einer Monopolstruktur auf Seiten der Kostenträger könnte sich dann einseitig zu Lasten der Schwächeren verändern. Für den eurocom-Geschäftsführer eine problematische Situation: "Man muss sich einmal vor Augen führen, was das für die Branche bedeutet.

Niemand käme beispielsweise auf die Idee, allen 20.000 Apotheken in Deutschland zum Jahresende die Zulassung zu entziehen. Für die knapp 2.000 Sanitätshäuser deutschlandweit wird das aber schon bald bittere Realität sein." Ungeachtet aller Proteste im Vorfeld hatten sich die politischen Vertreter Anfang 2007 dazu entschlossen, den Wegfall der Zulassung im Entwurf für das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz zu belassen. Mittlerweile scheint es im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) jedoch einen Sinneswandel gegeben zu haben, der nicht zuletzt auf die Proteste und Lobbyarbeit der Indust-rie- und Leistungserbringerverbände zurückzuführen ist. In einem Brief an die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen mahnt der Staatssekretär im BMG, Dr. Klaus Theo Schröder, deshalb unter anderem an dafür zu sorgen, dass die Vielfalt der Leistungserbringer gewahrt bleibt und eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung auch in Zukunft sichergestellt ist. Ansätze für eine Entwicklung in die richtige Richtung sieht die eurocom auch für die mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz eingeführten Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich. "Zwar hat es schon einige Ausschreibungen gegeben, von denen ein paar auch erfolgreich waren, aber insgesamt halten sich die Krankenkassen doch zurück und gehen mit den Ausschreibungen vorsichtig um", betont Pohlen. "Außerdem hat das Bundesministerium für Gesundheit die Krankenkassen aufgefordert, die Befürchtungen von Versicherten und Leistungserbringern ernst zu nehmen und sich an die gesetzliche Vorlage zu halten." Dass das Ministerium insbesondere auf die Ausnahmeregelungen der Ausschreibungspflicht eingeht und die Krankenkassen mahnt, diese zu beachten, wird von der eurocom begrüßt.

Der Industrieverband hatte den Spitzenverbänden bereits im letzten Jahr ein umfangreiches Argumentationspapier vorgelegt, in dem der hohe Dienstleistungsanteil und die teilweise individuelle Anfertigung bei Hilfsmitteln zur Kompressionstherapie, bei Bandagen, Orthesen, Einlagen und Prothesen dargestellt wird. Nach der Diktion des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes soll es für solche Hilfsmittel keine Ausschrei-bungen geben. "Wir halten selbstverständlich auch nach wie vor an unserer Position fest, dass die gesamte Orthopädietechnik nicht ausgeschrieben werden sollte", betont Pohlen. "Dafür werden wir uns in weiteren Gesprächen mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem Spitzenverband Bund einsetzen."

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