Chancen und Vorteile der Berufsstandsvertretung in der Pflege - Interview mit Patricia Drube, Referentin für Altenpflege und Unternehmerinnen und Unternehmer beim DBfK

Kommt bald die Pflegekammer?

Düsseldorf, 5.8.2015: Wir sprachen im Interview mit Frau Drube - Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V. - darüber, wie wahrscheinlich die Einführung einer Pflegekammer wird, welche Aufgabenbereiche die neue Interessenvertretung wahrnehmen könnte und welche Vorteile für die Gesamtheit der Pflegekräfte damit verbunden wäre. Die Referentin für Langzeitpflege und Unternehmerinnen und Unternehmer beim DBfK zeichnete ein überraschendes Bild.

Patricia Drube, Referentin für Altenpflege und für Unternehmerinnen und Unternehmer beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V. (DBfK)
Patricia Drube, Referentin für Altenpflege und für Unternehmerinnen und Unternehmer beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V. (DBfK)

In der Pflege werden Stimmen laut, die eine Pflegekammer fordern, wie denken Sie darüber?

Patricia Drube (DBfK): Aus meiner Sicht ist die flächendeckende Errichtung von Pflegekammern in Deutschland überfällig. Historische Aufzeichnungen belegen, dass die Gründung einer Pflegekammer schon 1910 in die politische Diskussion eingebracht wurde und insbesondere in den letzten drei Jahrzenten ist die Errichtung von Pflegekammern eine zentrale Forderung der Pflegeberufsverbände.

Wo sehen Sie neue Aufgabenbereiche einer solchen Interessenvertretung?

Patricia Drube (DBfK): Zunächst einmal steht die Registrierung der Pflegefachpersonen an. Bisher liegen nirgends valide Zahlen darüber vor, wie viele Personen mit welcher Pflegefachqualifikation wo tätig sind.

Eine zentrale Aufgabe der Pflegekammern ist die Berufsausübung durch eine Berufsordnung zu regeln. Sie wirkt auch durch Förderung der beruflichen Fortbildung, durch Beratung ihrer Mitglieder und durch eine Ethikkommission an der Qualität des sittlich und wissenschaftlich hochstehenden Berufsstandes mit.

Eine weitere elementare Aufgabe der Pflegekammern wird darin bestehen, den Berufsstand gegenüber der Politik und auch gegenüber anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen zu vertreten. Erstmalig gibt es durch Pflegekammern Ansprechpartner, die das Mandat haben, die gesamte Berufsgruppe der professionell Pflegenden zu vertreten.

Welche Vorteile hätte eine Pflegekammer für die Gesamtheit der Pflegekräfte?

Patricia Drube (DBfK): Die Pflegekammer ist die gewählte Vertretung des Berufsstandes. Damit hat unser Berufsstand erstmals eine legitimierte Stimme. Vorteile werden sich insbesondere dadurch ergeben, dass die Belange und Interessen, aber auch die Sichtweisen und Kenntnisse unserer Profession in politischen Entscheidungsprozessen, berücksichtigt werden müssen. Die Machtverhältnisse im Gesundheitswesen werden zugunsten der Pflege umverteilt werden. Die Kammermitglieder haben in ihrer Kammer einen kompetenten Ansprechpartner für viele berufliche Belange, zum Beispiel für Fragen der Qualität, der Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und für ethische Konfliktsituationen. Sie haben neben der Pflicht auch das Recht nach der Berufsordnung arbeiten zu dürfen.

Wie bekommt man die unterschiedlichen Interessenlagen unter einen Hut?

Patricia Drube (DBfK): Vor dieser Herausforderung stehen die Pflegekammern ebenso, wie die bestehenden Heilberufekammern, insbesondere die Ärztekammern. Zentral sind eine gute Kommunikation und eine transparente Arbeitsweise. Dies gewährleistet die Kammerversammlung, die als demokratisch gewählte Vertretung der Kammermitglieder innerhalb der Kammer einen demokratischen Verständigungsprozess ermöglicht. Alle Mitglieder der Pflegekammer verbindet, dass sie den Pflegeberuf professionell ausüben. Alle haben ein Interesse an einer hohen Versorgungsqualität und an guten Arbeitsbedingungen sowie an einer Aufwertung des Berufsstandes. Ich denke, dass diese gemeinsamen Interessen so verbindend sind, dass entstehende Interessenskonflikte konstruktiv gelöst werden können.

Inwieweit ist die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen der Forderung des DBfK nach einer Pflegekammer bisher nachgekommen?

Patricia Drube (DBfK): Wir nehmen eher eine abwartende Haltung wahr. Allerdings kommt gerade wieder Bewegung in die Diskussion um eine Pflegekammer. Das ist sicher auch dem Wirken der Berufsverbände und des DBfK geschuldet. Gerade wurde z.B. eine Online-Petition erfolgreich abgeschlossen, die ein DBfK-Mitglied mit der Forderung nach einer politischen Auseinandersetzung mit der Pflegekammer in NRW eingerichtet hat. Auch in NRW kommen also die politischen Akteure nicht umhin, sich mit der Pflegekammer zu beschäftigen.

Wir danken Frau Patricia Drube, Referentin für Altenpflege und Unternehmerinnen und Unternehmer - Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V. (DBfK) - für das Interview.
Mehr Infos hier: http://www.dbfk.de/de/presse/meldungen/2015/5539316565.php

Stichworte: Interessenvertretung der Pflegeberufe - Kommt die Pflegekammer

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Erste Kammergründung in Rheinland-Pfalz erfolgt

Der DBfK empfahl seinen Mitgliedern sich der Onlinepetition "Pflegekammer NRW jetzt" eines Pflegers aus NRW anzuschliessen, um damit für die Bedeutung der Pflegekammer zu werben. Die Petition lief bis zum 30. Juni 2015.
Die Online-Petition erhielt mit insgesamt 40.000 Stimmen (davon alleine 28.000 Stimmen aus NRW) ein beeindruckendes Ergebnis, allerdings wären 45.000 alleine aus NRW nötig gewesen.
In Rheinland-Pfalz ist die erste Kammergründung erfolgt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben erste Gesetzentwürfe zur Kammergründung vorgelegt.

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