Interview mit Hans Becker von RHEIN-TAXI in Düsseldorf zur Zukunft des Krankentransportes

„Der Wettbewerb muss fair bleiben“

Düsseldorf, 19.8.2016: Durch innovative digitale Technologien befinden sich das Taxigewerbe und die Taxiunternehmer im Wandel. Das spürt auch Hans Becker, Geschäftsführer von RHEIN-TAXI in Düsseldorf. DMRZ.de hat ein überraschendes Interview mit ihm zu Themen wie Apps, „mytaxi“ oder dem umstrittenen Fahrdienst-Anbieter „Uber“ geführt.

Herr Becker, hat die Einführung des Mindestlohns 2015 die Taxi-Branche verändert?

Becker: Der Mindestlohn hat Bewegung in den Markt gebracht. Doch 8,50 Euro sind zu wenig, um betriebswirtschaftlich vernünftig und seriös Fahrten anzubieten. Insbesondere die Vergütung der Wartezeiten und die schwankende Taxi-Nachfrage im Tagesverlauf tragen ihr Übriges dazu bei. Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Düsseldorf verdienen beispielsweise ab 12,50 Euro pro Stunde. Da ist es trotz 8,50 Mindestlohn im Taxigewerbe oft schwierig, gutes Personal zu bekommen.

Dazu kommt neben den erhöhten Personalkosten zusätzlicher bürokratischer Aufwand. Allein das Aufzeichnen der Arbeitsstunden gestaltet sich jetzt umfangreicher. Zu schaffen machen uns auch die vielen Mietwagenunternehmer mit niedrigeren Preisen und Kosten. Sie unterbieten die festgesetzten Taxitarife und zahlen oft keinen Mindestlohn. Diese Entwicklung müssen wir stoppen.

Was macht Krankenfahrten für Taxiunternehmen so attraktiv?

Becker: Für mein Unternehmen sind Krankenfahrten nicht attraktiv genug. Trotz Regelmäßigkeit und Sicherheit, beispielsweise bei Serienfahrten, lohnen sich solche Fahrten für uns nicht. Sehen Sie mal, eine Fahrt von Düsseldorf nach Frankfurt klingt auf den ersten Blick gut. Wenn dann aber der Kilometerpreis wie bei vielen Krankenfahrten wenig lukrativ klingt, wird es schnell unwirtschaftlich. Denn bei langen Krankenfahrtstrecken wird gern vergessen, dass der Fahrunternehmer die Rückfahrt selbst tragen muss. Das verursacht Zusatzkosten und macht diese Fahrt noch unattraktiver. Sie tragen als Unternehmer die Wertabschreibung für die Mehrkilometer des Fahrzeugs, es entstehen höhere KFZ-Versicherungskosten und mehr Spritverbrauch neben höheren Personalkosten. Krankenfahrten sind ein Zusatzgeschäft. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kollegen Krankenfahrten machen, um mehr Fahrten zu haben. Geld verdienen lässt sich damit aus unserer Sicht nicht.

Was mir gar nicht gefällt, sind die zunehmenden Ausschreibungen von Krankenfahrten über die Krankenkassen. Die versuchen damit, die festgelegten Preise in den Rahmenverträgen zu unterbieten. Die Frage ist auch, warum eine Krankenfahrt günstiger sein soll, als eine normale Fahrt, denn der Service ist umfangreicher als bei einer normalen Fahrt. Der Fahrer muss dem kranken Patienten ja beim Ein- und Ausstieg helfen. Stünden alle Unternehmer in der Frage der Krankenfahrttarife zusammen, wäre ein Unterbieten der Angebote gar nicht möglich.

Wird sich die Branche durch die Einführung des Fiskaltaxameters verändern?

Becker: Im INSIKA-Verfahren liegt aktuell eine große Chance der Transparenz der Taxiunternehmen. Durch das Verfahren werden Fahrten manipulationssicher aufgezeichnet. Das Fiskaltaxameter ist da nur das Gerät. Wichtiger ist das Verfahren selbst, von dem wir uns eine Signalwirkung für das Taxigeschäft versprechen. Denn wenn alle Taxiunternehmer unter denselben Bedingungen fahren, werden sich auch die aktuellen Preisunterschiede angleichen. Erst dann ist auch ein objektiver Vergleich der eigentlichen Transportleistung für den Kunden möglich. Und damit entsteht dann auch endlich Chancengleichheit zwischen dem Mietwagen- und dem Taxigewerbe.

Welche Herausforderungen sehen Sie für das Taxigewerbe in den kommenden Jahren?

Becker: Es muss ein fairer Wettbewerb geschaffen und weniger Konzessionen vergeben werden. Nicht jeder sollte einen Mietwagen fahren dürfen, denn das Mietwagengeschäft unterliegt nicht in der gleichen Art und Weise dem Personenbeförderungsgesetz und ist damit oft in einer besseren Wettbewerbssituation. Ich bezweifele, dass sich dieses Geschäftsmodell auf Dauer lohnt. Dennoch müssen wir diese Konkurrenz ernst nehmen.

Mit betriebswirtschaftlichen Mitteln werden wir dabei nicht weit kommen. Wer sich richtigerweise an Gesetze hält, muss sich auch an die festgelegten Preise halten, muss zu jeder Tageszeit fahren und darf keine Fahrt ablehnen. So schreibt es das Personenbeförderungsgesetz vor.

Mobilität aber unterliegt dem freien Willen der Kunden und ist damit nicht planbar. Die Online- und App-Konkurrenz bedient diese Bedürfnisse. Für das traditionelle Taxigewerbe ist das eine echte Herausforderung. Ich glaube aber, dass Kunden Unternehmen bevorzugen, die korrekt abrechnen und Steuern zahlen. Und ich setze auf Qualität, Höflichkeit, Freundlichkeit und den „emotionalen“ Aspekt, der jede Taxifahrt ausmacht. Taxifahrer sind Vertrauenspersonen für die Fahrgäste.

Das Thema „Subventionen“ muss verstärkt diskutiert werden. Der ÖPNV wird ausgebaut, die Auslastung aber ist mit rund 33% eher bescheiden. Deshalb muss er, um ihn profitabel zu machen, finanziell unterstützt werden. Wir Taxiunternehmer bekommen keine Subventionen und müssen die Kosten komplett allein tragen, das ist Wettbewerbsverzerrung. Und höhere Taxitarife als „Subventionsalternative“ sind schwer durchsetzbar, weil damit wiederum die Konkurrenzfähigkeit sinkt.

Werden Apps die Taxi-Zentralen in Zukunft überflüssig machen?

Becker: Apps spielen schon heute eine wichtige Rolle. Kein Taxiunternehmer sollte sich dieser Technologie verschließen, die bekannten Apps der Taxivereinigungen sind ein gutes Beispiel dafür. Ich sehe Apps als Ergänzung im Taxigewerbe. Aber auch diese müssen einem fairen Wettbewerb unterliegen. Das Taxigeschäft ist ein regionales Geschäftsmodell, das vor allem über das Telefon läuft. Das ist auch der Grund dafür, warum die Taxi-App „mytaxi“ und andere Unternehmen versuchen, den Point-of-Sale zu besetzen, indem Sie beispielsweise Hotels akquirieren. So erreichen sie eher eine kritische Masse.

Wie sehen Sie die Entwicklung von „mytaxi“?

Becker: „mytaxi“ hebelt die Marktmechanismen von Wettbewerb und Leistung aus. Die App bietet selbst keine Fahrtdienste, sondern verdient nur an der Vermittlung. Darunter leiden Taxiunternehmen und Kunden gleichermaßen. Die Preise, die dabei zustande kommen, sind nicht „natürlich“. Insbesondere der Umstand, dass die Fahrer auch die Kreditkartengebühr selbst tragen müssen, wirkt wenig attraktiv.

In Bezug auf fairen Wettbewerb muss sichergestellt sein, dass „mytaxi“ und der Fahrdienst-Anbieter „Uber“ den gleichen Auflagen und Bedingungen unterliegen wie die Taxiunternehmer – und die Einhaltung kontrolliert wird.

Wie denken Sie über „Uber?

Becker: Dazu möchte ich mich gar nicht äußern. Der Anbieter verstößt gegen Regeln und Gesetze, insbesondere das Personenbeförderungsgesetz, und bewegt sich damit in einer Grauzone zur Illegalität. Ich bezweifele, dass sich das Geschäftsmodell mit den angebotenen Preisen überhaupt lohnt.

Was brauchen Taxiunternehmen heute für Software, um am Markt bestehen zu können?

Becker: Taxiunternehmen benötigen eine umfangreiche Softwarelösung, die alle Zielgruppen, also Taxidisposition, Fahrer und Kunde, sinnvoll zusammenführt. Diese Software sollte die direkte Abrechnung aus den Daten des Taxameters und des Fahrtauftrags an den Fahrer erlauben. Eine gute Nachvollziehbarkeit der tatsächlich durchgeführten Fahrten erlaubt INSIKA. INSIKA (Fiskalwegstreckenzähler) sollte daher auch entsprechend für den Mietwagenbereich eingeführt werden, um Chancengleichheit abzusichern.

Was halten Sie von selbstfahrenden Fahrzeugen?

Becker: Ich persönlich würde ein solches Fahrzeug niemals fahren. Mit fällt es schwer, dieser neuen innovativen Technologie zu vertrauen. Dennoch wird sich auch das Taxigewerbe dieser Entwicklung nicht verschließen können. Dabei kann sich der eigentliche Dienstleistungsfokus verlagern, aber nach wie vor zählt in der Beförderung der persönliche Kontakt.

Ist das Taxi-Geschäft tot?

Becker: Das beantworte ich mit einem klaren „Nein“. Ich bin davon überzeugt, dass traditionelle Taxis in Zukunft wieder mehr an Bedeutung gewinnen werden. Es gibt immer mehr Menschen, vor allem Jüngere, die auf das eigene Auto in der Stadt verzichten. Und es gibt immer mehr ältere Leute, die ein Taxi in Anspruch nehmen wollen.

Vielen Dank für das Interview Herr Becker.

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